BOB WEIR – der Mann zwischen den Akkorden ist tot

BOB WEIR – der Mann zwischen den Akkorden ist tot
LOS ANGELES, CALIFORNIA - JANUARY 31: Honoree Bob Weir of Grateful Dead accepts the 2025 MusiCares Persons of the Year award onstage during the 2025 MusiCares Persons of the Year Honoring The Grateful Dead on January 31, 2025 in Los Angeles, California. (Photo by Kevin Mazur/Getty Images for The Recording Academy)

Es gibt Gitarristen, die glänzen im Rampenlicht, und es gibt jene, die den Raum überhaupt erst möglich machen.

El Jefe

Bob Weir gehörte immer zur zweiten Kategorie – und genau darin lag seine Grösse. Während andere Soli jagten, suchte Weir nach offenen Stellen, nach rhythmischen Zwischenräumen, nach Harmonien, die trugen. Seine Gitarre war kein Kommentar zur Musik der GRATEFUL DEAD – sie war ihr Fundament.

Als Mitbegründer der Band war Weir von Anfang an Teil eines Experiments, das sich konsequent jeder Einordnung entzog. Die GRATEFUL DEAD waren nie nur eine Rockband, sie waren ein soziales System, eine Idee von Freiheit und kollektiver Improvisation. Weir verkörperte diesen Geist wie kaum ein anderer: neugierig, spielerisch, manchmal sperrig, immer offen. Seine Songs – von „Sugar Magnolia“ bis „Playing in the Band“ – klangen nach Strasse, Staub, Sonne und endlosen Highways, nach Amerika jenseits der Clichées.

Nach dem Tod von Jerry Garcia hätte diese Geschichte enden können. Tat sie aber nicht. Weir hielt das Feuer am Brennen – nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Mit Projekten wie Rat Dog, Furthur und Dead & Company bewies er, dass Tradition nichts Starres ist, sondern etwas, das sich weiterbewegen muss, um lebendig zu bleiben. Er spielte weiter, experimentierte weiter, hörte weiter zu. Auch das war Bob Weir.

Sein Tod markiert nicht nur das Ende eines Musikerlebens, sondern das leiser werdende Echo einer ganzen Ära. Und doch bleibt seine Musik: in endlosen Live-Mitschnitten, in Songs, die nie gleich klangen, in dem Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein. Bob Weir hat uns gezeigt, dass es manchmal wichtiger ist, den Raum zu halten, als ihn auszufüllen. Dafür schuldet ihm die Musikgeschichte mehr als nur Dank – sie schuldet ihm Respekt.