AMORPHIS und SOILWORK in Pratteln

Hochkonjunktur für Halsbonbons? Ein Abend voller Doom und Death Metal im Z7.

Text: Rea Sigg | Bilder: Claudia Chiodi

Meine bisher einzige Begegnung mit Doom Metal hat mich von dieser Stilrichtung so gar nicht überzeugen können. Entsprechend skeptisch war ich vor Einlassbeginn im Z7. Die Journi-Kollegen, die mit Claudia und mir auf die Eröffnung der Abendkasse warteten, versuchten – vergeblich – mich vom Gegenteil zu überzeugen. Auch Death Metal ist ja nicht so meine Welt, von daher erwartete ich nicht wirklich die grosse Party zu erleben.

Nach dem, wie immer relativ zügigen Einlass, holte ich uns erstmal ein Getränk. Da das Z7 an dem Abend aber ausverkauft war, suchte ich mir bald einen einigermassen vernünftigen Platz mit Blick auf die Bühne.

NAILED TO OBSCURITY

Den Opener machten NAILED TO OBSCURITY, eine ostfriesische Band, die sich dem Melodic-Death-Doom-Metal verschrieben haben. Die Stimmung im Publikum war sehr speziell, als die 5 auf die Bühne kamen, irgendwie ruhig und doch elektrisierend. Auch während dem Auftritt waren die Fans sehr ruhig, fast schon entspannt. Dass NAILED TO OBSCURITY die Anwesenden für sich begeistern konnte, merkte man dennoch am frenetischen Jubel zwischen den Songs. Auch ich muss zugeben, dass sie mich mit Doom Metal ein Stück weit versöhnt haben. Es wird sicher nie meine Lieblingsstilrichtung werden, doch die Deutschen vermochten mich von ihren Qualitäten zu überzeugen. Nach rund 35 Minuten mussten NAILED TO OBSCURITY dann aber die Bühne räumen und Platz machen für den zweiten Opener des Abends.

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JINJER

JINJER aus der Ukraine übernahmen die Bretter, die die Welt bedeuten. Obwohl JINJER 2013 und 2016 zum besten ukrainischen Metalact gewählt worden waren, vermochten sie nicht, mich von sich zu überzeugen. Woran es genau lag, kann ich nicht festmachen, da mich weder der Cleangesang und schon gar nicht der gutturale Gesang von Frontfrau Tatjana abholte. Ganz anders kamen die Ukrainer indes beim Publikum an. Dieses feierte die Metalcore-Band nicht nur sicht- sondern vor allem auch hörbar. Sichtlich beeindruckt von dem lautstarken Support verliessen die 4 nach ihrem gut halbstündigen Set die Bühne, um Platz für den ersten Headliner zu machen.

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SOILWORK

War die Stimmung schon bei den beiden Vorbands ausgelassen, so legte die Lautstärke in der Halle bei SOILWORK noch um einige Dezibel zu. Die Schweden zeigten von Anfang an, warum sie zu den Stil-prägenden Melodic-Death-Metal-Bands gehören und spielten neben Songs ihres akutellen Albums Verkligheten auch Stücke älterer Platten. Dabei wusste Sänger Speed nicht nur mit seinem Cleargesang zu überzeugen. Entsprechend begeistert rockten die Metalheads im Z7 ab. Und die Schweden zeigten keinerlei Müdigkeit, obwohl sie an dem Abend das letzte Konzert des europäischen Tourabschnitts spielten und somit schon einige Auftritte in den Knochen hatten.

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AMORPHIS

Auch der zweite Headliner des Abends wurde vom Schweizer Publikum frenetisch empfangen. AMORPHIS eroberten zusammen mit der «Queen of time» (ihrem aktuellen Album), das Z7 von Beginn weg. Natürlich fehlten auch ältere Songs nicht, die von den Fans ebenso begeistert aufgenommen wurden, wie die neuen Stücke. Band und Publikum trieben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Es war ein rundum grossartiger Auftritt, der fast nichts zu wünschen übrig liess. Einzig die eigentlich in der Szene fast schon traditionellen End-of-Tour-Pranks – also die Streiche während dem letzten Konzert einer Tour – blieben leider gänzlich aus.

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Es war, bis auf ein paar kleinere, meinem persönlichen Geschmack geschuldeter Abstriche, wieder mal ein grossartiger Abend. Und ich muss zugeben, je öfter ich guten gutturalen Gesang höre, desto mehr gefällt er mir. 😉
Nach der Show gab es noch ein paar kurze Gespräche, aber schon recht bald ging es wieder Richtung Heimat.