Wüstenzauber mit MYRATH im Z7

An diesem kalten Samstag lockt ein Ausflug in eine andere Welt mit Glitzer, Magie und harten Riffs
zum Konzert von MYRATH und ELEINE

Text und Bilder: Claudia Chiodi

Wegen der verschiedenen Massnahmen rund um den neuen Coronavirus Covid-19 mussten die beiden Shows dieser Tour in Italien abgesagt werden, zum Glück darf das Z7 unter gewissen Voraussetzungen diese Veranstaltungen noch durchführen. Der Vorverkauf wurde am Donnerstag gestoppt und auch eine Abendkasse gibt es nicht. Als weitere Auflage muss jeder ein Formular mit seinen Personalien und ein paar Fragen zu Reisen, Kontakten und Gesundheit abgeben. Man mag jetzt über Sinn und Unsinn der Auflagen denken was man will, Fakt ist, nur so darf die Veranstaltung durchgeführt werden.

ELEINE

Für die Schweden ist es der erste Auftritt in der Schweiz, umso schöner für die hiesigen Fans, dass der Auftritt auch stattfinden kann. Bei ihrer Europatour mit Moonspell stiessen sie erst nach den beiden Schweizer Terminen zu den Portugiesen. Ich durfte von dieser Band bereits 2017 auf dem Sabaton Open Air einen ersten Eindruck live erhalten nachdem ich mich bereits vorab mit ihrer Debut Platte auseinander gesetzt hatte. Schon da hatte die ELEINE mit ihrem orientalisch angehauchten Dark Symphonic Metal bei mir einen guten Eindruck hinterlassen, an diesem Abend übertreffen sie diesen bei Weitem. Eindringlich, intensiv und mit düsterem Glamour präsentiert Sängerin Madeleine „Eleine“ Liljestam vor allem Songs vom zweiten Album Until The End. Gesanglich unterstützt wird sie von Gitarrist Rikard Ekberg, welcher zuweilen übergangslos von von klarem zu harschem Gesang wechselt. Auch alle drei neuen Songs der aktuellen EP All Shall Burn ist komplett vertreten, inklusive dem RAMMSTEIN Cover Mein Herz Brennt. Ohne die typischen NDH Rhytmen zu verlieren, wird der Song im ELEINE Kleid für mich emotional zugänglicher und nachdrücklicher. Auch während den Ansagen zwischen den Songs zeigt uns Rikard auch, dass er die deutsche Worte nicht nur perfekt nachsingen kann, sondern heizt das Publikum auch gekonnt in der Landessprache an. Gegen Ende darf dann auch Death Incarnate nicht fehlen, für mich persönlich der beste Song der selbstbetitelten Debutscheibe Eleine und heute auch der einzige derselben.

Nach dem Konzert trifft man die sympathischen Schweden noch am Merchstand für Autogramme, Fotos und Gespräche. Wie auf der Bühne vorhin, versichern sie, wieder in Schweiz zu kommen und gerne auch ins Z7. Dann hoffen wir mal, dass dies bald der Fall sein wird.

Online:

https://www.eleine.com/

MYRATH

Da keine grossen baulichen Umbauarbeiten auf der Bühne vorgenommen werden mussten, dauerte die Pause auch nicht wirklich lange. Die sichtbaren Veränderungen waren eher subtil, ein paar Kissen und Teppiche erschaffen eine passende Atmosphäre für die Erfinder des Blazing Desert Metal. Die Bühne ist beim Intro nur schwach beleuchtet, und bietet einen stimmungsvollen Rahmen vor den Auftritt einer Bauchtänzerin an der Bühnenkante. Dazu gesellt sich ein Feuerjongleur und bald auch die Band. Der Sänger hat einen besonderen Auftritt und erscheint mit Hilfe eines Zaubertricks auf einer zuvor noch leeren Plattform. Der Name The Magical Tour ist offenbar wirklich Programm, im Verlaufe des Abends werden wir nicht nur immer wieder die Bauchtänzerin beim gekonnten Hüfteschwingen bewundern dürfen sondern auch dieselbe als schwebende Jungfrau.

Das letzte Jahr erschienene Album steht klar im Mittelpunkt des heutigen Abends und liefert mit Dance auch den Ohrwurm des Abends und verleitet sogar hartgesottene Metalheads zum Kauf des dazugehörigen weissen T-Shirts. Aber auch das Vorgänger Album Legacy ist erfreulicherweise stark auf der Setliste vertreten unter anderem mit Believer und Endure the Silence, aber auch langsamere Stücke wie Duat fehlen nicht. Mit Shehili schliesst sich der Kreis und markiert den Abschluss des Konzertes.

Online:

https://www.myrath.com

An diesem Abend dürfen wir zwei hervorragende Bands bewundern, beide verbinden Metal mit orientalischen Klängen. Die eine verführt mit düsterer Schönheit und Sinnlichkeit, die andere nimmt uns mit auf eine magische Reise in die Wüstensonne, wie zwei Seiten einer Medaille ergänzen sie sich. Und das Z7 bietet wieder einmal einen würdigen Rahmen für diesen Anlass, Licht und Ton sind wie gewohnt einwandfrei und trotz des etwas ungewohnten Prozedere am Eingang ist das Team wie immer gut organisiert und gelaunt.