Wenn Schweden und Schweizer gemeinsam rocken…

… dann müssen es nicht immer die ganz grossen Namen sein, Qualität findet, wer die Ohren aufsperrt!

Text und Bilder: Claudia Chiodi

Vergangenen Freitag spielten BLACK DIAMONDS und DEGREED mit Special Guest HYSTERIA in der Hall of Fame in Wetzikon auf. Auch diesmal war wieder etwas Neuland für mich dabei, unter anderem auch die Bühne. Die Club-Stage war für diese Party genau richtig, die Veranstaltung erhielt dadurch einen etwas intimeren Rahmen und persönlicheren Charakter.

 


HYSTERIA


Die fünf Schweizer legten als Erste gleich richtig los, mit zwei Gitarristen können sie hier auch richtig Druck aufbauen. Klanglich erinnern sie an die Legenden der 80er Jahre wie Mötley Crüe mit einem Hauch Südstaaten, vielleicht habe ich mich aber auch etwas vom Outfit des Sängers beeinflussen lassen. Der kleineren Bühne geschuldet, war der Bewegungsdrang des Bassisten leider etwas eingeschränkt, aber mit drei Saiteninstrumenten wird es halt auch mal etwas eng.

Die Setliste bestand gerade mal zur Hälfte aus den Stücken ihrer bisher einzigen Veröffentlichung, der EP aus dem Jahre 2017 „Back To The Oldschool“. Das Repertoire wäre also auch für ein etwas längeres Set da, gut zu wissen. Ein gelungener Einstieg in den Abend.

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BLACK DIAMONDS


Frisch zurück von einer Deutschland Tour sorgen BLACK DIAMONDS dafür, dass sich die Platzverhältnisse etwas verschieben. Während es auf der Bühne etwas mehr Raum für bewegungsaktive Bassisten gibt, weil „nur“ zu viert, wird es davor deutlich enger. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist mein Fachwissen in Bezug auf Rock und die heimische Szene doch etwas unterentwickelt, daher gibt es immer mal wieder Neuentdeckungen für mich.

Neulinge sind die Rocker von BLACK DIAMONDS aber keineswegs und wissen, wie sie ihr Publikum am besten unterhalten und selber dabei auch offensichtlich Party zu haben, logisch wenn man mit „We Want To Party“ in ein Konzert einsteigt. Routiniert genug für diverse Spässchen und Spielereien neben den eigentlichen astrein sitzenden Riffs, das gewisse Extra eben. Dass der Bassist nicht nur Saiten zupfen und das Tanzbein schwingen kann, beweist er nach etwa einem Drittel der Setlist und übernimmt das Mikrofon für einen Song. Auch der Schlagzeuger kriegt seine Zeit im Rampenlicht, für einmal nicht Glam Rock sondern Klassik. Wilhelm Tell, genauer gesagt, die Ouvertüre wird mit einem Drumsolo neu interpretiert. Gegen Ende kommen wir noch in den Genuss eines Rockklassikers, da bin dann auch ich wieder textsicher.

In der Umbaupause hatte übrigens der Kollege von der Konkurrenz die Bühne noch etwas dekoriert. Offenbar hatte man an einem anderen Konzert einen ganz bestimmten Song nicht gespielt, und das wollte er so nicht hinnehmen. Um sicher zu stellen, dass dieser Lapsus nicht noch einmal passiert, brachte er überall auf der Bühne seinen Wunsch in grossen Lettern an. Es hat genützt, und der Song war und ist diese Aufmerksamkeit auch wert. Von eben diesem Kollegen habe ich mich dann nach dem Konzert auch beim CD Kauf beraten lassen.

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DEGREED


Die Schweden des Abends hatten mich mit einem Akkustik Set an der Rocknacht Tennwil neugierig gemacht, ich versprach ihnen und auch mir selber, mir die nächste Show unter Vollstrom anzuschauen. Da war ich wohl nicht die Einzige, auch wenn die Fan Gemeinde hierzulande wohl noch ausbaufähig wäre, fanden sich einige mit Band T-Shirt vor der Bühne ein. Zu denen sich übrigens relativ bald auch Musiker der anderen Bands des Abends gesellten.

Und ich wurde nicht enttäuscht, die Vertreter des Modernen Schwedischen Melodic Rocks liefern was ich mir erhoffte und noch mehr. Wo vor knapp zwei Monaten noch die etwas sanftere Variante mich angefixt hatte, vereinnahmt mich an diesem Abend die Virtuosität. Lauter? Ja! Härter? Keine Frage! Aber eben nicht nur, gerade Gitarrist Daniel Johansson begeistert mit seiner Saitenhexerei, welche streckenweise stark zum metallischen neigte, verdammt kann der Mann spielen! Und nicht nur er, beim „Shredding“-Duell mit dem Keyboard ist nicht wirklich ein Gewinner auszumachen, ausser dem Publikum versteht sich.

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Nach dem letzten Konzert wurde zwar langsam die Bühne abgebaut, aber es ergaben sich auch Gespräche mit den Musikern, Signierwünsche wurden erfüllt und das eine oder andere Bier getrunken. Die ganze Atmosphäre war eine Mischung zwischen professionellem Konzert und einem Abend in einer Bar. Also Feierabendbier am Freitag Deluxe, in meinem Falle wohl eher Cola wegen der Fahrtüchtigkeit.

Danke an die Hall of Fame, dass wir wieder mit dabei sein durften, ihr wart wieder ein hervorragender Gastgeber!