OITG 2022 – Frauenfeld Rocks! – Joachim Bodmer im Gespräch

Im Juni 2022 wird in Frauenfeld das grösste Rockevent der Schweiz mit METALLICA als Headliner stattfinden. Das legendäre Out In The Green – Festival aufersteht nach zwanzig Jahren. Wir konnten mit dem Medienchef Joachim Bodmer sprechen.

Danny Frischknecht

Hi Joachim
Ich gehe davon aus, dass du gut zu tun hast – nicht nur wegen des OITG. Wir freuen uns umso mehr, dass du dir etwas Zeit nimmst, um unsere Fragen zu beantworten.

Joachim Bodmer – Medienchef Out In The Green – Frauenfeld Rocks!

RN:     Vor knapp vier Monaten habt ihr die Bombe zum OITG 2022 / Frauenfeld Rocks platzen lassen. Was ist seither geschehen?

JB:      Wir haben das Programm fast zusammen und ein grosser Teil der Tickets ist verkauft. Und natürlich beschäftigt uns die Pandemie. Aktuell gehen wir davon aus, dass der Event im Juni ohne grosse Einschränkungen durchgeführt werden kann.

RN:     «The Legend Is Back!» lautete der Titel der Medienmitteilung, das Layout dürfte bewusst «retro» gehalten sein. Wer ist auf die Idee gekommen, das Kultfestival auferstehen zu lassen?

JB:      Es lag auf der Hand. Wir veranstalten seit 2004 das Openair Frauenfeld, das ja aus dem Out in The Green hervorgegangen ist. Wir konnten dieser Chance nicht widerstehen und haben mit Metallica das legendäre Out In The Green wieder auferstehen lassen. Und ja, die Grafik ist bewusst derjenigen des OITG angepasst. 

RN:     Das letzte Out In The Green ist gut zwanzig Jahre her und bedeutete den Konkurs der damaligen Veranstalter. Das ist nicht gerade ein gutes Omen…

JB:      Wir planen eigentlich nicht aufgrund von Omen. Das Out In The Green war eines der erfolgreichsten und legendärsten Festivals in der Schweiz. An diese Zeit werden wir anknüpfen. Wir lassen die Legende weiterleben.

RN:     Du warst beim «alten» OUT IN THE GREEN noch ziemlich jung – hast du es mitgekriegt? Und – hast du die ROLLING STONES schon live gesehen?

JB:      Ich war früher als Gast leider nie dabei. Ich erinnere mich ans alte Out In The Green aber vor allem wegen dem unglaublichen Line Up. Ich stand als Heranwachsender jeweils völlig erschlagen vor den Plakaten und dachte immer: «Eines Tages wirst auch du dahin gehen!»

RN:     Wolfgang Sahli hat in einer Stellungnahme gesagt, dass es Zeit wäre, wieder zu den Wurzeln zurückzukehren. Das klingt ein wenig so, als ob Frauenfeld Rocks! keine Eintagsfliege bleiben soll… Ist vielleicht sogar eine Ausweitung auf mehrere Tage denkbar?

JB:      Wir kennen die Zukunft noch nicht. Wir gehen nun ins dritte Pandemiejahr und müssen die Tage nehmen, wie sie kommen. Wir waren vor zwei Jahren sicher, dass die Pandemie im Sommer vorüber sein wird. Und jetzt hoffen wir auf den Sommer zwei Jahre später…

OITG 1995

RN:     Wer sich in der Szene bewegt, weiss natürlich, dass Rock und Metal seit einigen Jahren boomen, wieder ein grosses Publikum erreicht. Es gibt jede Menge traditionelle, grosse Festivals in diesem Bereich wie WACKEN, NOVAROCK, HELLFEST, SUMMERBREEZE, MASTERS OF ROCK, ROCK AM RING und ROCK IM PARK, um nur einige zu nennen.
Will OUT IN THE GREEN-FRAUENFELD ROCKS! in diesem Reigen mittun und ein neuer, grosser Player werden?

JB:      Wie damals beim Openair Frauenfeld wollen wir unseren eigenen Platz finden. Wir orientieren uns nicht an andern, sondern schauen wie der Event dieses Jahr ankommt und dann planen wir weiter. Schritt für Schritt.

RN:     Ihr arbeitet mit Livenation zusammen, einer der bedeutendsten Konzertagenturen weltweit. Ist ein solches Event, wie ihr es hier plant, ohne solche grossen Player überhaupt noch realisierbar?

JB:      Diese Frage müssen wir nicht mehr beantworten. Wir sind seit vier Jahren Teil der live Nation-Familie. Aber klar, Bands wie METALLICA sind ohne grossen Partner kaum mehr buchbar.

RN:     Wenn ihr sämtliche Tickets verkauft – was anzunehmen ist – werdet ihr dieses Jahr das mit Abstand grösste Rock-Konzert in der Schweiz veranstalten. Habt ihr keine Angst, dass Corona euch doch noch einen Strich durch die Rechnung macht?

JB:      Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir wissen nicht sicher, ob der Event im erwarteten Rahmen stattfinden kann. Die Anzeichen deuten aber sehr klar darauf hin, dass uns die Pandemie im Sommer 22 nicht mehr im gleichen Umfang wie in den Vorjahren betreffen wird. Wir sind hoffnungsvoll.

RN:     Aktuell stehen METALLICA, FIVE FINGER DEATH PUNCH, SABATON und HOLLYWOOD UNDEAD auf dem Lineup. Wann werden die letzten zwei Bands bekannt gegeben? Darf man auch noch auf eine Schweizer Band hoffen?

JB:      Sobald wir das komplette Line Up haben. Wann das sein wird kann ich aktuell noch nicht sagen.

OITG 1987

RN:     Für den Rock- und Metalfan bringt ihr hier ein ziemlich buntes Lineup. Das Zugpferd METALLICA ist DIE Thrash-Metal-Band schlechthin, 5FDP ordnet man eher dem Alternative Metal zu, SABATON machen Powermetal und HOLLYWOOD UNDEAD decken den Nu Metal oder Cross Over ab. Die könnte man übrigens schon beinahe ins OPENAIR FRAUENFELD integrieren. Musstet ihr das gesamte Paket übernehmen, oder wer hat dieses Lineup zusammengestellt?

JB:      Das Programm wird durch unsere erfahrenen Booker zusammengestellt. Ob es ankommt, zeigt sich Ende Juni. Bis jetzt läuft der Ticketverkauf aber schon mal nicht schlecht. 

RN:     Früher waren die Wünsche der Stars was die Infrastruktur oder Unterbringung anbelangt, teilweise sehr ausgefallen – sind die Jungs heute bescheidener? Was ist der kurioseste Wunsch, den du als Eventveranstalter bisher erlebt hast.

JB:      Oooohh… wir haben schon so vieles erlebt. 10’000 Packungen M&Ms nach Farben sortiert, Toilette auf der Bühne, nicht findende Blumen für den Blumenschmuck in der Garderobe, kurzfristig andere Farbe der Backstage-Möbel und und und… Die meisten Künstler sind aber völlig normal und wünschen sich bloss nachvollziehbare Dinge.

RN:     Es gibt viele Konzertbesucherinnen und -besucher, die sich über die hohen Preise beklagen. Ich habe einmal eine sehr stark vereinfachte und angenommene Rechnung gemacht und komme auf mögliche Einnahmen über Tickets von vielleicht 8 bis 9 Millionen Franken. Ist das realistisch? Und reicht das aus, um ein solches «Mini-Festival» zu stemmen?

JB:      Budget und Zahlen einzelner Shows kommunizieren wir nicht öffentlich. Aber auf eine Show runter gerechnet ist ein Festival viel günstiger als eine Stadion- oder Hallen-Show.

RN:     Es dauert jetzt noch ca. 5 Monate bis zum Event. Was bleibt euch in dieser Zeit noch zu tun?

JB:      Das Hauptproblem ist die Pandemie. Man weiss nie was Morgen ist. Eine grosse Herausforderung ist aber die Bühne. Wir haben beim Openair Frauenfeld bereits eine der grössten Bühnen der Schweiz. Leider reicht die METALLICA nicht aus. Sie muss noch grösser werden…

Joachim, ich wünsche dir für das Konzert viel Erfolg und danke dir nochmals, dass du dir die Zeit genommen hast.