Leo @ WACKEN – Part Two

Leo @ WACKEN – Part Two

METALNEWS ist ein freundlicher Arbeitgeber – unsere Berichterstatterinnen entscheiden weitgehend selber, über welche Bands sie berichten. Leo zeigt ihr Material vom Freitag…

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VERSENGOLD

Einen Anlass zum Feiern hat VERSENGOLD am Freitag einfach selbst mitgebracht: Auf dem WACKEN OPEN AIR releasen die Herren um Sänger Malte ihr neues Album „Funkenflug“ und stoßen mit dem Publikum gleich erst einmal auf das neue Werk an. Gleich nach dem Opener wird erst einmal die obligatorische Flasche Sekt geköpft und der „Funkenflug“ gefeiert. Natürlich gibt es auch einige Kostproben aus dem Silberling, einige der Songs spielten die Nordlichter bereits an den Abenden zuvor. So etwa das Lied ‚Niemals sang- und klanglos‘, einer fast hymnischen Nummer, deren Musikvideo stilecht im Wackinger Matsch gedreht wurde, oder das schaurig-schöne ‚Samhain‘ mit den virtuosen Saitensoli von Flo und Alexander, die über den ganzen Slot hinweg besonders herausstechen. Doch auch Liebhaber der alten Songs kommen bei der Release-Party von VERSENGOLD voll auf ihre Kosten. Natürlich darf an diesem Abend auch die Bandhymne ‚Versengold‘ ebenso wenig fehlen wie DAS Feierlied, die ‚Drei Weiber‘, zu denen das Publikum schließlich vollends eskaliert. VERSENGOLD beendet den letzten der insgesamt drei Auftritte auf dem WACKEN OPEN AIR mit einem großen Knall – einen besseren Start kann man einem Album gar nicht wünschen.


HEAVEN SHALL BURN

Das Einzige, was mir im Nachhinein nachhaltig vom Auftritt von HEAVEN SHALL BURN im Gedächtnis hängengeblieben ist? Es ist das aufwendige Bühnenbild mit dem Endlager für Atommüll, welches  den grollenden Sound und die gutturale Urgewalt der Band mit einem fast schon dystopischen, düsteren Hintergrund unterlegen. Tatsächlich klingen die Herren mit ihrem beinahe corig-thrashigen Death Metal mehr wie ein Soundtrack für mich, der ohne die Spezialeffekte und die Pyrotechnik, welche HEAVEN SHALL BURN schon beim zweiten Song ohne jegliche Ladehemmungen auspackt, ein wenig an Selbstständigkeit und Einzigartigkeit verliert. Für Stirnrunzeln sorgen dabei zudem die Ansagen des  Sängers, der seine „extra fürs Festival gekauften“ Gummi-Stiefel im Publikum verschenken will: „Ich hoffe, ich verletze niemanden, wenn ich sie jetzt werfe!“ Im Gegenteil zur Core-Fraktion in den ersten Reihen gelingt es mir daher über die ganze Zeit nicht, den Bezug zur aggressiven Musik mit ihrem recht gepressten Screams zu finden. Diese schaffen es dafür jedoch umso euphorischer. Wie sagte später jemand bewundernd: „Ich habe noch nie einen derart runden Mosh Pit gesehen!“ Sie bewegen und polarisieren eben, HEAVEN SHALL BURN spaltet die Besucher auf dem WACKEN OPEN AIR in zwei Lager. Und genauso hat gute Musik zu sein, das muss auch ich als Kritikerin den Jungs neidlos anerkennen.


ALICE COOPER

Es ist ein zweischneidiges Schwert mit den Auftritten von Weltstars auf solch großen Festivals wie dem WACKEN OPEN AIR. Der Vorteil: Die Zuschauer wissen, welch großartige Show sie erwartet. Der Nachteil: Die Zuschauer wissen, welch großartige Show sie erwartet. Denn bei dem Slot von ALICE COOPER ist alles minutiös durchchoreographiert. Es beginnt mit den Händen, die auf einmal links vom Vorhang zu sehen sind. Begeisterungsstürme im Publikum, die voller Spannung auf den Amerikaner warten. Nach der schaurigen Einladung zu einem Alptraum mit ALICE COOPER fällt schließlich das Tuch und der Altmeister selbst betritt im fledermausartigen schwarzen Umhang die Bühne. Stolz schreitend, den Gehstock in der Hand, braucht er diesen nur zu schwenken und die Menge tobt. Nüchtern betrachtet, behält ALICE COOPER jedoch über sämtliche Songs hinweg – egal ob dies nun eigene Titel wie das beinahe totgespielt ‚Poison‘ oder Cover-Versionen zu Ehren verstorbener Kollegen – stets einen distanzierten Anschein von Selbstkontrolle. Ein bisschen mehr Spontanität und ein bisschen weniger Perfektionismus hätten der Performance von ALICE COOPER durchaus gut getan.
Dass es auch anders geht, beweisen so seine beiden Gitarristen Nita Strauss und Chuck Garric – den beiden ist die Spielfreude und die hohe Dynamik die ganze Zeit hinweg anzusehen. Das macht sie auch beim Publikum der Lautstärke nach fast noch beliebter als ihr Chef…


HARPYIE

Sturzflug auf das WACKEN OPEN AIR: Die Raubvögel von HARPYIE kehren in diesem Jahr an zwei Tagen in den Norden zurück, um mit ihrem aktuellen Album „Anima“ die Wackinger Stage erbeben zu lassen. In passend animalischen Bühnenoutfits beginnen die Musiker um Frontmann Aello, der maskiert in den Auftritt startet, ihren Gig mit dem gleichnamigen, epischen ‚Anima‘ – es folgen mit ‚Schneeblind‘ und im weiteren Verlauf ‚Löwenherz‘ weitere Titel aus dem Neulingswerk. Doch nebst den frischen Liedern kramt HARPYIE tief in der Schatztruhe des Backkatalogs und packt beispielsweise mit ‚Fauler Zauber‘ auch Ohrwürmer aus, die sich schon länger auf diversen Gigs der Band etabliert haben und auch in Wacken augenblicklich im Gehörgang hängenbleiben.

Seinen Wendepunkt erlebt der Auftritt der Harpyien schließlich in dem Song ‚Blue‘, mit dem die Band aus Ostwestfalen den Eurodance-Teil des Sets einläutet. Selbst das abschließende ‚Sturmvögel‘ kleiden die Vögel in ein neues Gewand, das bei den Zuschauern vor der Stage, von Aello abschließend zur totalen Eskalation aufgefordert, besonders gut ankommt. WACKEN goes Eurodance – ein erfrischend anderer Act auf der Wackinger Stage.


SALTATIO MORTIS

Gänsehaut auf dem WACKEN OPEN AIR: Zu SALTATIO MORTIS zieht es zahlreiche alteingesessene Wackinger vor die Main Stages, schließlich beehren hier die Stars der Mittelalter-Szene das Festival. Zu ihrem letzten Besuch noch auf die damalige, kleinere Party Stage verbannt, haben die Spielmänner dieses Mal endlich genug Platz, um ihren Treiben freien Lauf zu lassen. Und den brauchen sie auch. Mit einem Mordssprung entert Frontmann Alea zu

‚Früher war alles besser‘ die Bühne und heizt dem Publikum davor von Anfang an im wahrsten Sinne des Wortes mit Pyro, etwa zu ‚Prometheus‘, ein. Ein strahlendes Grinsen im Gesicht bei allen Musikern, SALTATIO MORTIS fühlt sich sichtlich wohl und das spürt man auch: Die Energie geht bis auf die Zuschauer über, manch einer schreit sich beim Skandieren des Bandnamens beinahe die Seele aus dem Leib. Doch wird während des Slots der Mittelalter-Musiker mitnichten nur gerockt: So greift Alea beherzt selbst zum Dudelsack, neben den eigenen Liedern entführt SALTATIO MORTIS die Wacken-Gänger zwischendurch musikalisch auch in vergangene Epochen. Einen Moment der Rührung gibt es jedoch zu guter Letzt auch: Fast scheint es, als glitzere eine kleine Träne in den Augen der Spielmänner als gefühlt das ganze Infield den Chorus des traditionellen ‚Spielmannsschwurs‘ mitsingt….


MARILYN MANSON
Ausgerechnet der Act, auf den ich mich auf dem WACKEN OPEN AIR am meisten gefreut habe, erweist sich als die größte Enttäuschung: Denn MARILYN MANSON lässt nicht nur das Publikum eine ganze Weile auf sich warten. Gut eine Viertelstunde lang zieht sich das Intro des Goth Rockers, ehe er uns endlich die Ehre erweist. Bis dato ist die Bühne von den insgesamt acht Nebelmaschinen von allen Seiten derart vollgenebelt, dass ich selbst als Fotografin im Bühnengraben kaum etwas sehen kann. Dafür allerdings hören: Auch musikalisch macht MARILYN MANSON bei seinem Gig keine sonderlich gute Figur, die Töne sind unsauber und lustlos, von der charismatischen Bühnenpräsenz des Amerikaners ist nicht sonderlich viel übrig. Als schließlich eine Windböe den Nebel hinwegfegt, zeigt sich auch optisch: MARILYN MANSON ist nicht mehr als der ein schwacher Abglanz seiner Selbst, aufgedunsen und schon nach wenigen Songs sichtlich abgekämpft. Beinahe erschreckend ist es, wie viele Zuschauer das Infield kurz nach Beginn der Show wieder verlassen. Es ist und bleibt ein schockierender Auftritt von MARILYN MANSON auf dem WACKEN OPEN AIR – und bei allem Respekt für den Meister des Grusels ist dies mitnichten positiv gemeint.

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