Blaues Pferd Festival 2026 – Samstag

Blaues Pferd Festival 2026 – Samstag

Lautstärke, Punkrock und Bier – Reitschule im Tanzmodus
Tag 2 des 5-jährigen Jubiläums des Winter-Punkrock-Festivals in der Grossen Halle der Reitschule Bern: Samstagnacht war noch lauter, wilder und energiegeladener. Trotz klirrender Temperaturen füllte sich die Halle weiter mit feierwütigem Publikum, das gekommen war, um zu tanzen, zu singen und auszurasten.

Juwal Penner

Nachdem ich den Tag in der Stadt verbracht hatte und versuchte meine Kamera irgendwie von Bier zu befreien und alle Knöpfe und Rädchen wieder beweglich zu machen, machte ich mich auf den Weg zur Reitschule um dieses Mal pünktlich dort sein zu können. Auch wenn die Halle immer noch ziemlich kalt ist, erscheint sie mir heute doch ein bisschen wärmer. Es mag einem aber auch nicht die Stimmung zerstören, welche in der Reitschule/Grossen Halle aufkommt und ich fühle mich einfach immer noch pudelwohl.

Mistio

Nun endlich, nach dem ich ihn am Vortag leider verpasst habe, komme ich nun als Start vom zweiten Tag in den Genuss : Mistio, der Berner begann den Abend mit einer Reihe trashiger Britney Spears-Covers von seinem kleinen Balkon über der Bar. Nicht ganz das, was man beim Punk-Festival erwartet (aber auch halt irgendwo schon), aber genau deshalb ein herrlich legendärer Einstieg.

The High Times

Auf der Hauptbühne ging es dann anschliessend mit The High Times so richtig los. Uptempo-Songs und energiegeladene Hooks brachten sofort gute Laune in die Halle und erinnerten mich stark an die 90er/2000er Skater-Punk-Vibes meiner eigenen Jugend. Klassischer Punkrock-Drive, der perfekt in diese Festivalnacht passte.

For I Am

For I Am aus Belgien legte direkt nochmal eine Schippe drauf. Die Band lieferte energiegeladenen, melodischen Punk, der vom ersten Schlagzeugbeat an in Bewegung setzte – hier war stillstehen schlicht keine Option. Besonders beim Bassist wurde ich das Gefühl nicht los, er sei in ein Wespennest gefallen. Gute Energie!

100 Kilo Herz

Mit 100 Kilo Herz folgte Punk mit Drive und Bläsern. Ich habe bereits im Vorfeld einiges von der Band gehört und viele meinten, man solle sich umbedingt die Band live antun. Und ich kann hier nur sagen: Man hatte recht! Die Bläser brannten ordentlich, das Schlagzeug prügelt und die Gitarren sägen.

Langsam ist die Halle ganz gut gefüllt und tanzt sich warm bei den Leipzigern.

Alarmsignal

Weiter ging’s mit Deutschpunk alter Schule: Alarmsignal brachte klare Botschaften, kraftvolle Riffs und eine mitreissende Performance mit einer Energie, welche sich auch auf das Publikum ausweitete. Die Leute tanzen immer wilder und singen lauthals mit. Hier war nicht nur Energie angesagt, sondern auch Haltung – Punk mit Ansage und ohne Kompromisse.

Mein persönlicher Favorit aus ihrem Set: Nazis nehmen uns die Arbeitsplätze weg!
Die Band hat sich zu meinem Favoriten des ganzen Festivals gemausert.

Itchy

Als Headliner des Abends spielte Itchy. Nachdem ihr Gig im letzten Jahr beim Festival leider abgesagt werden musste, holten sie es dieses Mal mit voller Wucht nach. Mit klassischem Punkrock-Sound, Mitsing-Momenten und verrückten Publikumsaktionen (inkl. Crowdsurfen auf einem Gitarrenkoffer bei einem kurzen Pennywise-Cover) hatte die Reitschule definitiv ihren grossen Spass. Es wurde gesprungen, gesungen und gefeiert, bis die Wände krachten.

Itchy haben eine unglaubliche Live-Energie und bringen einfach nur gute Laune mit. Es ist quasi unmöglich still zu stehen bei dieser Band. Ich kann jedem wärmstens empfehlen, einmal Itchy sich anzusehen. Eine unglaubliche Wucht.

Must Be Wrong

Leider musste ich direkt nach dem ersten Song von Must Be Wrong bereits mich auf den Nachhauseweg machen – schade, denn der schnelle, melodische Punkrock der Schweizer Band hätte sicher noch einmal richtig eingeheizt und gute Laune gemacht. Aber der lange Heimweg wartete schon. Gerne das nächste Mal!

Fazit

Der Samstag zeigte sogar noch ein bisschen stärker wie der Freitag: Dieses Festival lebt – laut, bunt, voller Energie und mit einer starken Mischung aus klassischem Punk, Melodie, Ska-Vibes und politischer Attitüde. Vom trashigen Cover-Start mit grossem Mitsingpotential bis zur wilden Headliner-Show war es ein Abend, der im Gedächtnis bleibt – und der beweist, warum das Blaue Pferd Festival zu einem festen Winter-Highlight der Schweizer Szene ist. Trotz Kälte und auch dem verkleben meines Equipments (auch hier immer noch: Wessen Bier das war, ich hoffe deine Ärmel mögen beim Händewaschen herunterrutschen und nass werden) habe ich es unglaublich genossen, mich in meine Jugend zurückversetzt gefühlt und bin nun motiviert evtl. wieder einmal ein Skateboard auszupacken um dann zu merken, dass meine Knochen vielleicht doch schon zu alt sind. Ein unglaublich tolles, vielfältiges Line-Up, faire Preise und tanzwütige, singende Personen, was will man mehr? Ich komme gerne wieder!