Blaues Pferd Festival 2026 – Freitag

Blaues Pferd Festival 2026 – Freitag

Lautstärke, Punkrock und Bier – Reitschule im Tanzmodus
Letztes Wochenende feierte das beliebte Winter-Punkrock-Festival der Hauptstadt sein 5-jähriges Jubiläum in der Grossen Halle der Reitschule Bern. Trotz klirrender Kälte war die Stimmung vom ersten Moment an warm: Jacken, Mützen und Bierbecher überall – und mittendrin ein Publikum, das nur eines wollte: Pogo, Mitsingen und Eskalation.

Juwal Penner

Nachdem ich mich durch den Feierabendverkehr gekämpft hatte, ging es für mich direkt in den Fotograben. Den ersten Act (Mistio) habe ich leider dank dem besagten Feierabendverkehr knapp verpasst – aber der Rest des Abends hatte mehr als genug Energie im Gepäck.

Batteries and sweets

Mit Batteries And Sweets startete mein Festivalabend melodisch und angenehm. Für Punk eher auf der ruhigeren Seite, aber genau richtig, um die Menge langsam auf Temperatur zu bringen.

Trotz Winter-Outfits und kalter Halle schaffte es die Band, das Publikum aufzuwärmen – ein entspannter, aber stimmiger Einstieg.

Sour Bitch

Nach kurzer Umbaupause übernahmen Sour Bitch aus Prag – und lieferten eine Punkshow mit ordentlich Attitüde.

Das Publikum war sofort dabei, tanzte freudig mit und feierte die Energie der Band. Laut, direkt und mit viel Charisma: genau das, was man sich live wünscht.

The Real McKenzies

Als nächstes kommt der Dudelsack-Folk-Punk Hauptexport von Kanda The Real McKenzies auf die Bühne und legt direkt mit einer wahnsinnigen Energie los. Die Energie und Attitüde von Sänger Paul McKenzie (mittlerweile 70 Jahre alt!) ist unangefochten, was er auch hier wieder beweist. Während viele in der Halle immernoch in Jacke und Mütze unterwegs sind, steht er Oben-Ohne da und lässt nicht mal ein kleines Zittern zurück. Schottischer/Kanadischer Sommer laut ihm.

Die Band verwandelt die Grosse Halle in einen einzigen Pogo und es war eine riesige Freude ihnen zuzuhören! Wer dies bisher noch nicht gemacht hat, sollte dies umbedingt tun. Gerne wieder!

Betontod

Nun kommt der langersehnte Headliner des Abends, Betontod, auf die Bühne. Mit über 30 Jahren Bandbestehen gehören sie längst zu den festen Grössen in der Punkszene – und genau so klang es auch. Frontmann Oliver Meister hat das Publikum voll im Griff und es wird gehüpft, getanzt und mitgesungen in einer wahnsinnigen Lautstärke, bei der die Kälte endgültig keine Chance mehr hatte.

Besonders laut wurde es bei „Glück Auf!“ und dem legendären Refrain:
„Wir müssen aufhören, weniger zu trinken!“
Das Publikum ging komplett mit.
Selbst als jemand, der keinen Alkohol trinkt, macht es aber einfach riesigen Spass, mitzusingen und mitzufeiern. Betontod Live? Gerne immer wieder, macht absolut Laune.

Disinclined

Als Abschluss des 1. Abends steht die Solothurner Hardcore Fraktion von Disinclined auf der Bühne und zeigt dem Publikum wie man Two-Step tanzt! Im Vergleich zu den anderen Bands durchaus härter und anders. Trotz der super Messages der Band und der absoluten Sympathie, war dies leider musikalisch nicht ganz mein Fall. Muss der Band aber lassen, sie haben die Halle abgerissen und die Leute in den wohlverdienten Feierabend entlassen. Btw. hat die Band absolut tollen Merch!

Fazit

Der erste Abend des Jubiläums hatte alles was es braucht: laut, ehrlich und komplett eskalationsbereit! Und das obwohl (wie schon mehrfach erwähnt, dieses Problem scheint aber bekannt zu sein) die Halle durchaus ziemlich kalt ist. Vom eher melodischen Einstieg über Pogo mit Dudelsack, Headliner-Bier-Mitsingmomenten und einer Runde Two-Step, war alles dabei. Bern und die Reitschule beweisen erneut, sie können Punk. Auch im Winter. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Festival in seinen festen Kalenderplatz einzubauen. Obwohl eines Bierunfalls über meiner Kamera, welche nachher komplett verklebt und quasi unbrauchbar wurde, hat der Abend doch grossen Spass gemacht und jede der Bands hat absolutes Können und Freude an der Musik bewiesen!