Wat ein Weib – Caro Blofeld – „teach ‚em all“

Erst mal kurze Panik; Buchrezension? Über eine Lehrerin, die Deutsch studiert hat? Da bleibt als einzige Ausrede, dass ich so alt bin, dass jegliche Rechtschreibreformen mit Schallgeschwindigkeit vor mir Reissaus genommen haben.

Danny Frischknecht

Zwei Hinweise vorneweg; erstens vergebe ich keine Burning Headphones, weil wir das nur bei Musikreviews machen. Zweitens führen wir in diesem Theater in der nächsten Zeit ein Gespräch mit der hochgelobten Autorin – stay tuned!

„Teach ‚em all – Mein Lehrerleben zwischen Wacken und Werther“, so heisst das Paperback, das vor einigen Tagen in meinem Briefkasten gelandet ist. Caro Blofeld war mir schon vorher – zumindest virtuell – nicht ganz unbekannt. Mit ziemlich viel Vergnügen verfolge ich ihre Tweets und hab sogar schon einmal ihre Website besucht, jawoll!

https://caroblofeld.wordpress.com/

Warum komme ich auf die Idee, dieses Buch nicht nur zu lesen, sondern auch zu besprechen?
Der Gründe sind gar viele! Zum Einen ist es das einzige Buch, das ich kenne, dessen Kapiteln je ein Musiktrack zugeordnet ist – ein Manuskript mit Playlist – wtf!
Zum Anderen ist die Frau nicht nur Studienrätin und verbeamtet, sondern bekennender Metalhead.
Und nicht zuletzt; sie schreibt mehr als erfrischend, hat Humor ohne Ende und spricht eine Sprache, die allen Fans harter Musik unbedingt gefallen muss.

Eine kleine Zwischenbemerkung sei mir erlaubt; ich habe im Buch keine genderkompatiblen Sprachverrenkungen gefunden, weshalb ich mir erlaube, keine „Gendersternchen“ zu benutzen – wie immer!
Weiter lebe ich damit, dass nicht in jedem Fall die weibliche und männliche Form erwähnt ist oder gleich gewichtet oder mit-gemeint oder was auch immer.
Soviel zu dem Thema – und vegan ist mein Geschreibsel auch nicht, glaube ich.

Bei der Lektüre habe ich mich gefragt, ob zu Beginn dieses Werkes die Geschichten und Inhalte waren, oder die Playlist.
„Teach ‚em all“ ist das erste Buch, bei dem ich es liebe, dass es 49! Kapitel auf 223 Seiten vereint. Die Tracks, welche den Kapiteln zugeordnet sind, kann man getrost als Strauss der spannendsten Bands und Genrevertreter bezeichnen. Allerdings handelt es sich nicht um einen bunten Strauss, sondern einen tiefschwarzen. Was mit DIMMU BORGIRs „Entrance“ beginnt, endet mit METALLICAs „Nothing Else Matters“.

Gehen wir sofort mal zum Negativen. Selbst als Schlechtleser schafft man es nicht, die Kapitel so zu lesen, dass sie synchron zum entsprechenden Track bleiben; 6:30 METALLICA zu zehn Creditzeilen – no chance!
Einzige Rettung allenfalls – ihr sucht die Tracks jeweils im iTunes-Store und hört euch die eineinhalb Minuten dauernden Schnipsel an.

Damit bin ich eigentlich bereits am Ende mit meiner Kritik. Jepp, ich werde das Buch über alle Massen abfeiern, ich habe es mit immensem Vergnügen und in nur zwei Sessions durchgelesen.
Beispiele gefällig? Geht nicht, dann müsste ich hier ein Buch über das Buch verfassen, um die Schmankerl zu listen. Das wiederum wäre schlecht für den kommerziellen Erfolg des Buches – den ich sowohl dem Werk als auch der Autorin wünsche. Einige Zitate finden sich jedoch weiter unten.
Ein weiterer Hinweis; wer zu faul oder zu blöd oder zu modern zum Lesen ist – es gibt das Ding auch als Hörbuch! -> Quatsch, gibt es nicht und würde auch niemand anhören, weil es von MESHUGGAH eingesprochen werden würde. Ihr müsst also definitiv lesen lernen!

Worüber lässt sich die „nur gerade 160 cm grosse“ Autorin, mit schwarzen, langen und regelmässig nachcolorierten Haaren sowie einer ganzen Menge zerstochener und eingefärbter Haut – worüber lässt sie sich eigentlich aus?

Über Clichées! Über das deutsche Schulsystem! Über ihre Hunde und ihre (Nicht-) Beziehung zu Kindern! Über schöne Menschen in Schweden und natürlich über Metal!
Sie schreibt jetzt aber keine „Geschichte des Metal im Kontext des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts“.
Sie beschreibt, welche heilsame Wirkung Metal auf dem Arbeits- und Nachhauseweg hat – schön lauf aufgedreht im klapprigen Auto. Oder, dass sie regelmässig an Konzerten und Festivals runhämgt, gerne Bier und Gegrilltes mag – wie die meisten Metalheads halt – einfach lustiger erzählt.
Aber, nicht die Playlist vergessen – die ist nämlich sehr interessant für den fachlich kompetenten Metalhead und lehrreich für den unbedarften Freund deutschen Schlagers.
Da ist wirklich alles drauf, von FINNTROLL über AIRBOURNE zu ENSIFRERUM und weiter vorbei an NIGHTWISH, RAMMSTEIN oder J.B.O. – ein Fest!

Den Link zur Playlist auf Spotify findet ihr weiter unten…

Warum sollte man das Buch unbedingt lesen – oder halt hören? Weil es lustig ist und gleichzeitig erschreckend.
Was, Schule ist immer noch so?
Nö ne, Lehrerinnen und Lehrer ticken immer noch gleich?
Fuck, Schülerinnen und Schüler langweilen sich immer noch – und viele ihrer Erzeuger (Helikoptereltern) lügen sich im Elterngespräch gekonnt in die Tasche, weil sie ihren Sprössling „eigentlich“ für übermässig talentiert und total unterfordert halten?

Also, damit ich beim Interview mit der guten Frau noch die eine oder andere Sache platzieren kann, kürze ich hier ab und lasse euch teilhaben an wenigen, unkommentierten Zitaten. Diese habe ich selbstverständlich total aus dem Zusammenhang gerissen.
Wenn ihr aber wie Caro Blofeld tickt, wird euch das nicht stören,. Denn dann seht ihr das alles nicht so verbissen, könnt auch über euch selber lachen oder ertränkt schlechte Laune einfach in ein oder zwei Bierchen – Prost!

Fa-zitate

„Noch im Jahr 2015 sah ich einen Kollegen einen antiken VHS-Röhrenfernseher-Wagen durch die Gänge schubsen.“
„Ich habe lediglich einen einen selbstzerstörerischen Hang dazu, Humbug zu labern.“
„Steht ein schwarzes Schaf auf der Wiese, kuckt sich um und denkt irgendwann:“FUCK! Ich bin anders.“?“
„Komm, lass uns die Wände in einem fröhlichen Morgenuringelb machen, passend zu den Akzenten von kotzgrünem Linoleum und kackbraunen Fensterrahmen.“
„Damit verliess er die Szenerie. Gerade rechtzeitig, bevor Kollege A. und ich ob des Anblicks des vollgereiherten Kleinwagens die Beherrschung verloren und auch brüllten. Vor Lachen!“
„Hatte bei Ihnen schon einmal jemand ’ne glatte Eins im Abi?… „Wenn das einer von euch in irgendeinem Fach schaffen sollte, komme ich an eurem Abiball im pinken Kleid“. „DEAL!“, erschallte es einstimmig aus sechsundzwanzig Hälsen. Diese Pack!“

Toby von Tobys Bude hat die Playlist zum Buch auf Spotify zusammengestellt, hier könnt ihr reinhören!