Totentanz im Wohnzimmer

Als erstes Konzert der Tour zum aktuellen Album Brot und Spiele von SALTATIO MORTIS war die Show in Zürich ausverkauft.

Text: Rea Sigg | Bilder: Claudia Chiodi

Eigentlich hatte ich an dem Abend arbeitsfrei und plante, einfach nur die neuen Songs zu geniessen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Claudias Redaktionskollege fiel leider kurzfristig aus und so springe ich mal wieder als Schreiberling in die Bresche.

Als wir am Plaza eintrafen, warteten schon einige Leute. Die Menschenmenge vergrösserte sich bis zur Zeit des Einlasses aber noch deutlich. Dennoch ging der Einlass relativ zügig und geordnet von statten. Beim Umschreiben der Presseakkreditierung auf mich gab es ebenfalls keine Probleme. So gefällt es doch den Freizeitjournalisten.

Wer das Plaza kennt, weiss wie klein und gemütlich es da drin sein kann. Auf der Bühne wurde es dann mit acht Spielmännern inkl. Instrumenten sehr kuschelig. Sänger Alea nutzte die Nähe zu seinen Bandkollegen weidlich aus und rieb sich des öfters an ihnen trocken, sehr zum Leidwesen besagter Kollegen. SALTATIO MORTIS hatten, vermutlich der geringen Grösse des Klubs geschuldet, auf eine Vorband verzichtet. Dafür kamen die Fans in den Genuss eines verlängerten Konzertes. Rund zwei Stunden lang verwöhnten uns die Spielmänner mit Songs ihres aktuellen Albums, aber auch Songs aus früheren Zeiten durften nicht fehlen.
Der Einstieg begann schon mal emotional mit einem Song, mit dem sich fast jeder auf irgendeine Weise identifizieren kann. Jeder von uns hat und hatte Grosse Träume, die sich im Laufe der Zeit vielleicht auch gewandelt haben. Wer das Video dazu noch nicht kennt, unbedingt ansehen!
Bei Europa wurde es dann ein erstes Mal politisch, Lasterbalk stellte in seiner Ansage die Frage in den Raum, ob sich die Schweiz in der heutigen Zeit überhaupt noch isolieren soll, darf und kann. Die Antwort darauf muss jeder für sich selber finden.
Als er Spur des Lebens ansagte, merkte man Alea an, dass das im Song behandelte Thema in sehr berührt. Doch auch im Publikum mussten einige Leute schwer schlucken. Während des Songs floss dann auch die eine oder andere Träne bei den Fans. Zeit zum Verschnaufen blieb dennoch keine. Mit Raghs-e pari entführten uns die Spielmänner zuerst in die heisse Wüste, nur um uns kurz darauf in den eisigen Norden zu den Asen zu versetzen.
Schliesslich folgte für mich gleichzeitig das Highlight und der grösste Fluch von Brot und Spiele. Mit Träume aus Eis hat Lasterbalk ein Lied geschrieben, welches mich bis in die tiefste Seele hinein berührt und so flossen bei mir denn auch die Tränen in Strömen.
Mit Nie wieder Alkohol folgte ein Lied, um die Menge aus der Melancholie wieder in Feierlaune zu versetzen. Schliesslich mussten wir für den nächsten Song bereit sein. SaMo versucht es ja immer mal wieder. Sie werfen ihren Sänger ins Publikum und hoffen so, ihn loszuwerden. So auch im Plaza, doch wie immer (und zur heimlichen Erleichterung von Aleas Bandkollegen) klappte es auch an dem Abend nicht. Sogar als Alea eine zweite Runde drehte, brachten ihn die Menschen brav wieder zur Bühne zurück.
Doch auch die schönste Zeit geht irgendwann einmal zu Ende und so verabschiedeten sich SALTATIO MORTIS vom Publikum. Die Zugabe Rufe des Publikums waren zuerst zwar lauter, wurden bald jedoch vom traditionellen Oh Oh Oh des Spielmannsschwurs abgelöst. Damit liessen sich die acht dann auch erweichen und kehrten nochmals auf die Bühne zurück. Den endgültigen Abschied bildete dann der Spielmannsschwur, auch wenn Band und Publikum noch lange weitergemacht hätten.

Nach einer kurzen Trockenlegungszeit kamen die Spielmänner dann auch vor die Bühne und zum Merchstand für Fotos und Gespräche. Leider konnten sie sich auch hier nicht soviel Zeit nehmen wie gehofft, da die Fans rechtzeitig vor der regulären Cluböffnung das Gebäude verlassen mussten.

Brot und Spiele, der Name ist Programm, sowohl musikalisch als auch ansagetechnisch gesehen. Und wer an dem Abend nicht live vor Ort war, wird nie wissen, warum ein Griffelchen plötzlich Hauptthema des Abends war.

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