„The truth ain’t what it used to be…“

Vor dem Auftritt im Zürcher Komplex 457 traf Fabian Hofmann den Sänger und Gitarristen der WAYWARD SONS – Toby Jepson.

Text Fabian Hofmann, Bilder Natascha Dittli

Mit diesem neuen Albumtitel meldet sich die noch gänzlich unbekannte Band WAYWARD SONS zurück. Als Vorband von Steel Panther haben sie nun die Chance sich selbst einen Namen zu machen. Rocknews hat für euch die Jungs aus dem Vereinigten Königreich ihrer Majestät getroffen und mit dem Frontmann Toby ein ergiebiges Interview geführt.

Rocknews: Ich habe noch nie von der Band Wayward Sons gehört. Glaube aber auch nicht euch zu kennen. Ihr habt bis jetzt zwei Alben herausgebracht, das neuere von beidem ist The truth ain’t what it used to be und das ältere hiess Ghosts of Yet to come. Da ich relativ wenig von euch bis anhin gesehen oder gehört habe benötige ich die Zeit, um ein Gefühl dafür zu entwickeln. Deshalb zuerst mal die einfache Frage; wie viele Bandmitglieder seid Ihr?

Also wir sind 5 Mitglieder und eine klare Normalbesetzung einer klassischen Rockband. Wir haben einen Schlagzeuger, einen Bassisten, einen Leadgitarristen und mich als Rhythmusgitarrist. Zusätzlich haben wir zur klassischen Besetzung noch einen Mann am Keyboard.

Rocknews: Also Toby zum Starten kommen wir als erstes zu deinem persönlichen Hintergrund. Wo und wie bist du aufgewachsen? Von woher kommen die anderen Bandmitglieder?

Also ich bin in einem kleinen Dorf in der grössten ehemaligen Grafschaft Yorkshire aufgewachsen. Um genau zu sein im nördlichen Teil. Aber seit dieser längst vergangenen Zeit habe ich im ganzen Lande gelebt. Heutzutage lebe ich im Südwesten England. In einer Stadt Namens Bristol. Der Rest der Truppe kommt von überall aus England. Zwei von ihnen sind aus dem nördlichen Teil von England. Ein weiterer kommt aus Leicestershire in der Mitte Englands. Wir haben auch ein Mitglied, welches aus der Hauptstadt Englands kommt. Es war schwierig alle für dieses musikalische Projekt zusammenzutrommeln.

Toby Jepson – Foto Credit Natascha Dittli

Rocknews: Da stellt sich nun aber die Frage, wie Ihr euch getroffen habt? Was waren die gemeinsamen Anlaufstellen?

Da muss ich ein bisschen ausholen. Vor vielen Jahren war ich in einer Band, welche sich Little Angels nannten. In dieser Band waren wir in ganz Europa sehr erfolgreich. Als diese musikalische Zusammensetzung sich dann in den Jahren 1994/95 aufgelöst hatte, zog ich weiter, denn andere Projekte warteten bereits auf mich. In den letzten Jahren war ich vor allem als Produzent für einige Bands und deren Alben tätig und verantwortlich. Irgendwann wurde ich dann von Frontiers Music angefragt, einem kleinen Label aus Italien, ob ich mir wieder vorstellen könnte als Frontmann mitzuwirken. Sie riefen mich einfach an einem normalen Wochentag an und besprachen das Thema mit mir. Also stellte sich zuerst einmal die Frage, wen ich in der neuen Band haben wollte.

Da ich einige Male mit fast Eddie Clarke von Motorhead, in einer schottischen Band namens Gun und schlussendlich auch in der Abschiedsband für Ronny James Dio’s Beerdigung mitgespielt habe, Dio’s Disciples genannt, hatte ich sicher auch gute Kontakte zu enorm vielen talentierten, begnadeten und produktiven Musikern. Bei Dio’s Beerdigung war ich einer der Sänger. Also du siehst ich hatte einige Bands schon hinter mir. Diese kamen alle zu einem klaren Ende. Dann habe ich für mich selbst entschieden, dass wenn ich nochmals Musik in einer Band machen werde, es meine eigene Musik sein muss. Da ich fertig war andere Künstler zu imitieren.

Als dann Frontiers Music an die Türe klopfte, war es eine Möglichkeit, für die ich schon lange ein offenes Ohr hatte. Also habe ich versucht alle meine Freunde mitzunehmen und Ihnen eine neue Chance zu bieten.

Rocknews: Du hast einen steinigen Weg hinter dir. Was waren deine allerersten Banderfahrungen. Wann und wie hast du deine erste Band gestartet?

Meine allererste Band gründete ich mit 14 Jahren. Wie lange ist das noch her, ich kann all die Jahre gar nicht mehr zählen. Ich kann mich kaum mehr an den Namen erinnern.

Toby Jepson – Foto Credit Natascha Dittli

Rocknews: Und was für eine Stilrichtung hatte diese Band?

Eine klassische Rockband. Ich bin immer schon gerne in Rockbands dabei gewesen. Ich bin halt mit Queen, David Bowie, Deep Purple und Sex Pistols aufgewachsen. Da wird man gut und gerne von diesem Gedankengut, sowie auch den musikalischen Überzeugungen beeinflusst. Ich wurde aber genauso stark vom Punk, wie vom Rock ‘n’ Roll beeinflusst. Für mich waren Punk und Rock sehr ähnlich zueinander. Mein Vater war ein grosser Musikfan und hörte deshalb oft mit mir Eagles. Schon von klein auf hatte ich deshalb einen starken Zugang einerseits zur Musik, anderseits zur Vielfalt der Musik. Für mich überwindet Musik einzelne Barrieren und deshalb sollte ein Stück oder ein Künstler auch in einem grösseren Kontext oft gesehen werden.

Rocknews: Welche Rolle nimmt Kunst und Musik in der heutigen Welt für dich ein?

Kunst und Musik sind in diesen verzweifelten, dunklen und manchmal beängstigenden Zeiten ein gleissendes Licht. Hier werden Gedanken angeregt und System hinterfragt. Wir selbst müssen uns erinnern, dass wir selbst immer wieder irren. Musik ist etwas  was du nicht kontrollieren kannst, selbst wenn du willst. Es passiert dir einfach. Es ist in dir und es kann dein Lebensretter sein. Der einzige Strohhalm an den du dich klammerst.

Rocknews: Wie würdest du selbst deine Musik jemanden beschreiben, der Wayward Sons noch nie gehört hat?

Unsere Musik lebt von dem Erzähler und den dahintersteckenden Geschichten oder Wahrheiten. Ich schreibe Songs basierend auf einer Idee oder einem Gefühl. Es kommt auch vor, dass sich diese beiden ergänzen. Ich bin sehr besorgt und gleichzeitig interessiert in die Kunst der Musik und überhaupt nicht ins Geschäftliche. Um genau zu sein ich bin völlig desinteressiert, vielleicht wäre ich bei einem grösseren Interesse nicht die ganze Zeit arm. Interessant finde ich was Menschen zu einem bestimmten Thema zu sagen haben., Was momentan aktuell ist und wie die Welt oder vielmehr die Menschen damit umgehen. Auch wenn ich nur ein kleiner Künstler bin, will ich trotzdem meinen Teil zum grossen Ganzen beitragen. Ich denke egal was es ist, es kommt auf jede künstlerische Intention an. Alle Kunst zählt zum Gesamtbeitrag und deshalb will ich auch weiterhin qualitativ, hochstehende Musik schreiben.

Rocknews: Das neue Album trägt den anregenden Titel The Truth ain’t what it used to be. Steckt da auch mehr dahinter als ein einzelner Satz, ja vielleicht sogar ein politisches Statement?

Das neue Album ist eine Diskussion über die Schwierigkeiten und grossen Veränderungen, welche die Welt nun schon seit längerer Zeit durchwandert. Einerseits der Brexit der in England vielen Betroffen zu schaffen macht, mit seiner Galionsfigur Boris Johnson. Im weissen Haus ist Trump immer noch am Werk und macht sich weiterhin daran zu schaffen sein einziges Ziel zu verfolgen. Make America great again. Das die meisten armen Menschen keine Vorteile von seinen Eskapaden und kindlichem Verhalten haben sei dahingestellt. Wenn ich solche Dinge sehe, kann ich mich nur wehren. Dabei weiss ich auch dass die meisten Menschen besser sind als diese argen Beispiele. Diese Platte dreht sich darum die Wahrheit zwischen alldem Unsinn zu finden. Dem wir täglich ausgesetzt sind.

Was ist die Wahrheit in diesem Post-Wahrheit-Unsinn (Post-Truth-Bullshit) mit dem uns die Weltpolitik in den letzten Jahren bekannt gemacht hat. Viele heutzutage denken, dass keine Wahrheit bestehe, sondern nur verschiedene Versionen. Jeder Mensch könne seine eigene Wahrheit haben. Ich glaube es gibt nur eine einzige Wahrheit. Man kann sich nicht alles zurechtbiegen, wie man es gern möchte.

Rocknews: Was ist dein Gegenmittel gegen schlechte Tage oder wenn du siehst wie schlecht die Welt geworden ist?

Ich weigere mich zu akzeptieren, dass es so sein muss. Nichts im Leben kann nicht vollständig geändert oder umgekrempelt werden. Der einzige Weg für mich mit schlechten Taten oder schlechten Menschen umzugehen, ist sei besser als die Person selbst. Nicht in einem Elitären, sondern viel mehr philanthropischen Sinn. Man ist freundlicher und netter. Sei grosszügig und hilfsbereit zu Menschen, schlussendlich sind das die Dinge, welche zählen. Weil alles Negative schlussendlich auch destruktiv ist. Natürlich kann man nicht alles Negative einfach ausmerzen. Jeder kann jedoch für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht.

Rocknews: How did you came up with the band name wayward sons?

Ursprünglich kam der Name von Carry on my wayward son. Einem Lied von Kansas, welches bei uns damals ziemlich erfolgreich war. Zu dieser Zeit begann ich mit Konzertbesuchen in Bars, Pubs oder eben auch Clubs. Der Song begleitete mich durch die vergangenen Jahrzehnte. Dabei nahm ich vor allem die Einstellung auf, die in dem Song klar aufgezeigt. Die Einstellung allein zu überleben, auf seinen eigenen Beinen zu stehen und für das zu kämpfen, was es einem Wert ist. Als Little Angels dann mit Kicking up Dust einen erfolgreichen Hit landete, hatte ich in dem Song die Einstellung von diesem Lied paraphrasiert. Irgendwie war die Einstellung eines Wayward Sons zu einem Teil von mir geworden. Es fühlte sich an, als wäre mein ganzes Leben auf diesen Punkt zugelaufen. Ich wusste einfach automatisch, dass in meiner nächsten Band nur ein einziger Name in Frage kommen konnte.

Rocknews: Was machst du; um deinem Alltag zu entfliehen und vor stressigen Tagen zu entfliehen?

Ich liebe Filme und bin ein grosser Fan davon. Gleichzeitig schreibe ich sehr gerne. Momentan schreibe ich an einem Filmskript und einer Biographie parallel. Zusätzlich schreiben wir die Songs für einen deutschen Fantasy-Film, welcher glaube ich in den nächsten zwei Jahren rauskommen wird. Als Autor liebe ich es auch mich mit anderen Werken zu befassen.

https://www.facebook.com/waywardsonsbanduk/