STEELPANTHER – Awareness? No Awareness!

STEELPANTHER – Awareness? No Awareness!

„Awareness“ ist ein Buzzword geworden, das sich auch in der Event-. und Konzertszene festgesetzt hat. Warum das bei STEELPANTHER keinen Platz hat…

Bilder und Text Danny Frischknecht

Selbstverständlich geben wir – ganz besonders in der Rock- und Metalszene – aufeinander acht. Missstände gibt es überall, die Metalfamilie achtet aber überdurchschnittlich gut darauf, dass insbesondere Frauen sich sicher fühlen dürfen, es herrscht kaum Homophobie, gegenüber unterschiedlichen Meinungen und Lebensentwürfen ist die Szene tolerant, offen.
Was das mit dem Konzert von STEELPANTHER im Komplex zu tun hat? STEELPANTHER als Menschen sind bestimmt tolerant, behandeln Frauen anständig – ihre Bühnenpräsenz ist anders. Hier sind sie schamlos sexistisch, reden praktisch nur über Sex, praktizieren Achtzigerjahre Leggins-Metal, geben sich obszön und behandeln Frauen als Sexobjekte. Ziel der Konzerte – es sollen Brüste gezeigt werden, auf der Bühne selbstverständlich. Hier könnte jetzt ein Aufschrei folgen, eine Anklage dagegen. Kommt aber nicht, denn bei STEELPANTHER ist jede selber schuld und das Gieren nach nackten Brüsten ist nicht nur erlaubt, es ist erwünscht. Es ist „part of the game“, es gehört zu STEELPANTHER wie die engen Lederhosen, die langen Haare, die Mischung aus Parodie und Verehrung des Sleaze Metal. Mittlerweile sind die Jungs seit über zwanzig Jahren unterwegs, man kann sie definitiv nicht als Eintagsfliege abtun.

Ein wichtiges Element bei diesem Spiel sind die Fans – oder müsste man sagen die Faninnen? Oder wie soll es verstanden werden, wenn sich zum Song „Asian Hooker“ (asiatische Nutte) drei notabene asiatische Frauen freiwillig auf der Bühne tummeln, sich den Jungs teilweise beinahe an den Hals werfen? Es muss entweder totale Selbstaufgabe sein – oder eben Spass, Freude am Spiel mit dem Bruch von Konventionen. Keine Frau – auch nicht bei „17 Girls In A Row“ – ist ahnungslos, weiss, was sie da auf der Bühne erwartet. Und es sind definitv viele Frauen im Saal und dann eben auch auf der Bühne – nicht ganz siebzehn, aber nahe dran. Und ja, den Busenblitzer gab es – nichts Spektakuläres, sondern erwartetes Zwischenspiel, eben „Part Of The Game“. Ansonsten haben STEELPANTHER auf der Bühne des Komplex genau das geboten, was die Fans erwarteten – viel Spass, viel Show, viele zweideutigen und grenzwertigen Sprüche und eine Setlist, auf der bei achtzig Prozent der Songs der Zusatz „explicit“ zum Titel gehört. Wunderbar, herrlich, pure Unterhaltung, bei der man versaute Gedanken haben kann, sich etwas sexistisch oder machohaft fühlen darf. Nur für neunzig Minuten, nur in diesem „geschützten Rahmen“. Wenn ich in die Runde geschaut habe, bin ich mir sicher, dass auch viele der anwesenden Frauen jeden Alters schamlos und ohne schlechtes Gewissen auf die Jungs und deren enge Hosen geblinzelt haben – why not? Das ist STEELPANTHER.

Damit zurück zum Anfang dieses Beitrages; nein, auch bei einem STEELPANTHER braucht sich keine Frau unsicher zu fühlen, wird niemand angemacht oder bedrängt – es sei denn freiwillig und auf der Bühne. „Awareness“ – selbstverständlich, im realen Teil dieser Konzertlocation, abseits der Bühne, abseits des Zirkus der Leggins-Metaller Michael Starr, Gesang, Satchel, Gitarre, Spyder am Bass und Stix Zadinia an den Drums. Der hat übrigens auch wieder den DEF LEPPARD Drummer Nick Allen „parodiert“, indem er einen Song mit nur einem Arm spielte. Allen wird ihm das nachsehen, schwingt dabei doch viel Hochachtung für den einarmigen Drummer der Glammetal-Heroen mit.

Fazit

STEELPANTHER sind STEELPANTHER sind STEELPANTHER. Niemand geht an eines ihrer Konzerte, weil er nichts über Sex und Drogen hören will, weil er oder sie ein politisch korrektes Event besuchen möchte. Wer zu STEELPANTHER geht, weiss zwei Dinge; hier darf „gesündigt“ werden und hier spielt eine Band, die in neunzig Minuten ca. 60 Minuten Musik macht und die restliche Zeit verlabert. Was soll’s? STEELPANTHER sind STEELPANTHER sind STEELPANTHER!

Unser Dank gilt einmal mehr dem Veranstalter Goodnews Productions, der uns immer wieder als Medienpartner bucht und uns solche unterhaltsamen Abende ermöglicht.