STARS IN TOWN – Schweiz – Deutschland 2:1
Nope, war kein Fussballmatch, kein Eishockeyspiel – war Openair In Schaffhausen mit MEGAWATT, BOSSHOSS und GÖLÄ. Zwei Sieger gab es trotzdem…
El Jefe
Es ist einfach so; wer in der Schweiz am selben Abend auf derselben Bühne steht wie GÖLÄ, der hat eigentlich schon verloren. Der Berner Oberländer Mundartrocker ist eine Instituion – insbesondere live. Der füllt gemeinsam mit Chüelischnitzer TRAUFFER das Letzigrund gleich zweimal – als erste Schweizer Mundartband. HECHT werden das 2027 auch erreichen, allerdings nur einmal.
Als Hinweis; GOTTHARD haben es zwar auch ins Letzigrund geschafft, allerdings nur als Supportact von BON JOVI.
Für einmal lag die Konkurrenz nicht bei den Cowboys im zweiten Slot, sondern beim Opener MEGAWATT. Ja, ich weiss, was jetzt kommt; das sind doch die Softrocker aus dem Rheintal, oder? MEGAWATT werden als Rockband immer noch weniger ernstgenommen, als sie es verdient hätten. Die Band ist seit 2019 unterwegs und haben seither einen steilen Aufstieg hingelegt. Im kommende Frühling etwa spielen sie ihre „Für Immer Live“-Tour in bedeutenden Hallen der Schweiz, ihre Fanbase wächst stetig.
Der Verlierer? THE BOSSHOSS, die deutschen Rockcowboys, schlicht aufgerieben zwischen einem Supportact im Höhenflug und dem unangefochtenen Mundart-Kultrocker der Schweiz. Sorry Jungs!
MEGAWATT
Es ist eine Weile her, dass ich eine Band auf der Bühne erlebt habe, die dermassen spielfreudig war, dermassen viel Spass auf der Bühne hatte, das Publikum nach wenigen Sekunden im Sack hatte und bei allem dankbar dafür wirkte, dass sie hier sein dürfen. Man mag es glauben oder nicht; zwei nicht namentlich genannte Bandmitglieder schlugen statt auf dem Herrenacker auf dem Fronwagplatz auf und wollten dort auf der Bühne spielen. Nun ist die Talenstage ziemlich klein und gedacht für absolute Newcomer – also definitiv nicht für MEGAWATT.
Nachdem sich das geklärt hatte, stand die Band also pünktlich auf der Mainstage und legte ein Feuerwerk hin. Richtig, die Jungs haben viele Tracks, die man eher dem „Power-Balladen-Mundart-Rock“ zuordnen kann, die den „Mainstream“ bedienen und für viele Altersgruppen tauglich sind – na und? Wenn eine Band live alles gibt, live definitiv ziemlich rockig rüber kommt und den Herrenacker in eine glühend heisse Festhütte verwandelt – alles richtig gemacht! Logisch, da waren „Heimatgfühl“ und „Loieherz“ dabei, von Thomas Graf in seinem Rheintalerdialekt gesungen, unterstützt von seinen beiden Spitzengitarristen Marco Gassner und Dennis Mungo, dem coolen Basser Damian Caluzzi und dem noch etwas cooleren Drummer Marius Hatt. Die Bandmitglieder sind allesamt Rocker, spielen seit vielen Jahren in verschiedenen Bands – somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sie in der musikalischen Vergangenheit schwelgen. Ob das nun bei „80er Jahr“ ist oder bei ihren Covereinlagen. MEGAWATT haben getan, was eine gute, seine sehr gute Supportband tut – sie heizt einen eh schon affig heissen Holy Ground auf, damit den folgenden Bands die Füsse brennen. Check!
THE BOSSHOSS
Um der Wahrheit die Ehre zu geben; THE BOSSHOSS haben abgeliefert. Die Band um die ehemaligen „The Voice Of Germany“-Juroren Alec Völkl und Sascha Vollmer haben eine gute Show gespielt, haben professionell performt und mit dem Publikum interagiert. Das klappte allerdings nur bedingt. Zuerst einmal liess sich das Publikum nur bedingt zum Mitsingen animieren, es war ein bisschen „en Chrampf“. Dann scheinen sie – obwohl sie nicht zum ersten Mal in der Schweiz spielen – noch nicht realisiert zu haben, dass wir Eidgenossen nicht mehr auf die alten Schweiz-Clichées abfahren. Wir sind weder langsam noch zurückhaltend noch alle reich. Zweiteres zeigten die Eingeborenen an den beiden Shows der erwähnten Mundartrocker.
Somit gelang des den Berliner Cowboys nur bedingt, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Da wir Fotografen nicht in den Graben durften, sondern die Show aus dem Publikum ablichten mussten, waren wir nciht traurig, dass das Publikumd deutlich „luftiger“ stand als bei den anderen beiden Bands.
Für einmal hat eine gute Show nicht restlos überzeugt, haben THE BOSSHOSS nur teilweise réussiert.
GÖLÄ
Es gibt wohl keinen Mundartrocker in der Schweiz, der mehr Ecken und Kanten hatte, als POLO HOFER. Seine Musik war verpackt in den Charme des Berndeutschen, er kam aus dem Touristenhotspot Interlaken und spielte lustige Lieder, fröhliche, traurige und sozialkritische.
Mittlerweile steht neben ihm ein weiterer Berner Oberländer, an dem Polo bestimmt seine Freude gehabt hätte – Marco Pfeuti, genannt GÖLÄ. Er ist einer der bekanntesten Musiker der Schweiz, eine Institution, die man einfach kennt. GÖLÄ ist ein Büezer, auch, wenn er mittlerweile mehrfacher Millionär sein dürfte. Der kann nach wie vor „pickle“ und Baggerfahren, spricht nach wie vor wie einer, der dem „Proletariat“ entstammt. Dazu gehört auch, dass er unangepasst ist, selten politisch korrekt, laut und fröhlich, nachdenklich, geradeheraus und absolut ehrlich. GÖLÄ ist GÖLÄ und bleibt es auch. Ob er Balladen singt wie „Schwan“ oder seinen ersten grossen Hit „Büezer“ – es passt. Seine Musik spiegelt die vielen Höhen und Tiefen seines Lebens und zeigt immer wieder den verletzlichen Mann mit der rauhen Schale und dem weichen Kern. GÖLÄ kann Gefühl, er kann auch auch klare Kante beziehen – und ein Publikum innert Sekunden packen und dan vom ersten bis zum letzten Song unterhalten, begeistern. Man kann ihn lieben oder doof finden oder chauvinistisch oder ihn gar hassen, er dürfte so bleiben, wie er ist.
Dass sich der Kreis an diesem Abend schloss hat auch damit zu tun, dass GÖLÄ und Thomas Graf von MEGAWATT ihr Duett „Brich mir mis Herz“ gemeinsam performt haben.
Fazit
Man darf sagen; am 31. Juli 2026 haben zwei Schweizer Mundartbands auf dem Schaffhauser Herrenacker den Nationalfeiertag eingeläutet, wenn nicht sogar ein wenig vorweggenommen.
Somit ist der dritte Abend des STARS IN TOWN 2026 absolut gelungen.
