SABATON mit The Great War am 19.07.2019

Die Schweden feiern ihr 20-jähriges Bandbestehen und werfen mit The Great War zum Jubiläum ein Schwergewicht auf den Markt.

Claudia Chiodi | Titelbild: Tallee Savage
4.5 von 5

Power Metal aus Schweden | Label: Nuclear Blast Records

Der erste Weltkrieg wird nicht umsonst auch als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet, hatte er doch Auswirkungen auf alle Lebensbereiche und veränderte Europa in politischer und kultureller Hinsicht zum Teil grundlegend. Ob bewusst oder unbewusst ist dieser Krieg ein Teil unser aller Geschichte und hat unser heutiges Weltbild mitgeprägt. Dass dieses Ereignis auch in der Vergangenheit schon auf dem Radar einer geschichtsbegeisterten und -bewanderten Band wie SABATON auftauchte, ist nicht weiter überraschend. Warum nun ein ganzes Album diesem Thema gewidmet wurde, könnt ihr in unserem Interview mit Joakim Brodén (15.06.2019) nachlesen.

Die Band

Dieses Jahr feiert die Formation aus Falun in Schweden ihr 20 jähriges Bestehen, für das Songwriting sind die Gründungsmitglieder Joakim Brodén (Gesang, Keyboard) und Pär Sundström (Bass) hauptverantwortlich.  Am Schlagzeug, oder auf dem Panzer, sitzt Hannes van Dahl und in die Saiten hauen die beiden Gitarristen Chris Rörland und Tommy Johansson. Tommy stiess nach den Aufnahmen zum letzten Album zur Band und konnte sich für The Great War auch mit seinen Songwriter Fähigkeiten einbringen.

Das ehemalige Mitglied Thobbe Englund arbeitete am Song Fields of Verdun mit und spielte auch das Gitarren Solo zu diesem Song ein.

Credits Tallee Savage

Das Album

Für die Review stand mir die History Edition des Albums zur Verfügung. Diese enthält im Gegensatz zur regulären Version gesprochene Passagen, eine kurze Einstimmung oder Erklärung zum jeweiligen Song. Ich war erst skeptisch, wie die Umsetzung in Einzelnen aussehen sollte, bin aber positiv überrascht worden. Die Sprecherin hat eine sehr angenehme Stimme und Sprechweise, die Texte sind kurz und gut formuliert, unterlegt oft mit zum Thema passender Geräuschkulisse. Nach mehrmaligen Anhören gehören diese Texte für mich zum Song, einziger Wehrmutstropfen: Die Intros wurden dafür etwas gekürzt. Dies funktioniert meist sehr gut, nur ein- oder zweimal ist der Übergang etwas abrupt. 

Noch vor dem ersten Weltkrieg abgelehnt, traten Panzer nun einen Siegeszug an und wurden ein wichtiger Teil der Kriegsführung. Da die Band aus Falun eine Vorliebe für diese Gefährte hat, verwundert es nicht wirklich, dass sich der Album Opener darum dreht. In den folgenden Song stehen verschiedene Aspekte, Persönlichkeiten und Begebenheiten mit teilweise verheerenden Wirkungen direkt oder auch auf lange Sicht im Mittelpunkt. Giftgas, schlammige und blutige Schützengräben und die Frage, was denn so grossartig am Krieg sein soll, werden thematisiert und musikalisch unterstrichen.

Aber auch Helden dürfen auf dem Album nicht fehlen und mit ihnen auch eine heroischere und leichtere Umsetzung in musikalischer Hinsicht, welche an mancher Stelle dann auch für ein Schmunzeln sorgt. 

Am Ende eines SABATON Albums erwartete uns in der Vergangenheit eigentlich immer eine kleine Überraschung, einen Coversong, eine Hommage, ein humorvolles Stück. Passend zum ganzen Album ist es diesmal die Vertonung des wohl bekanntesten englischsprachigen Gedichtes über den Ersten Weltkrieg: In Flanders Fields. Nur auf einen Chor reduziert, ist es der perfekte Abschluss des Albums, ein Abschuss, welcher die Tragweite des Ganzen durch die Einfachheit noch einmal vor Augen führt und einen emotionalen Kontrapunkt zu The End of the War to End All Wars setzt. Wenn der Track ausklingt, lässt die folgende Stille die Eindrücke erst richtig sacken und mich erst mal leer schlucken.

Anspieltipps:

Ich verzichte hier auf die bereits vorab erschienen Songs, der interessierte Hörer hat sie sich ja bestimmt schon zu Gemüte geführt.

Seven Pillars of Wisdom, ohne Chor und Leading Keyboard, dafür laut J. Brodén mit der besten Gitarren- und Schlagzeug-Arbeit. Auch ohne diese typischen Elemente der Musik SABATONs kommt das Stück mit der gewohnten Wucht daher.

Devil Dogs, ein musikalischer Kontrapunkt zum Grundtenor des Albums, leichter und optimistischer, mit nicht wenig Flair von Militärparaden und Marschkapelle, verleitet auch zum Schmunzeln 

The End of the War to End All Wars: Der Song, den ich so vielleicht am wenigsten erwartet hätte. Intro mit Streicher und Piano, später das volle Programm mit Filmscore würdigen Zwischenspielen, welche an Hans Zimmer erinnern. 

Fazit

Das Album ist insgesamt düsterer und schwerer als die Vorgänger, ohne an Drive einzubüssen. Die Songs sind unverkennbar SABATON Songs, aber eben musikalisch passend zu dem dunklen Kapitel in unserer Geschichte. Die Tracks der normalen Edition lassen sich ohne Probleme auch in einer Playlist und auf Repeat hören, Mitsing- und Headbang Potential inklusive. Die History Edition hingegen hat als Ganzes inklusive der Stille nach dem letzten Track einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Einen Eindruck, welcher über die Musik als solche hinausgeht, nachdenklich stimmt und in der Konsequenz dann auch meinen Wissensdurst weckt. Ein Konzeptalbum soll für mich eine Geschichte erzählen, im besten Fall mit einem emotionalen Spannungsbogen, Höhen und Tiefen. Und genau dies macht The Great War eindrücklich! Eine Geschichte, welche ich mir auf einem solchen Album erhofft und vermutlich auch erwartet hatte, fehlt mir allerdings: der Weihnachtsfrieden von 1914. Man konnte lesen, dass die Band dieses Thema zwar auch auf dem Tisch hatte, aber nicht das passende Lied dazu. 

Bei den verschiedenen erhältlichen Ausgaben des Albums, geht meine Empfehlung daher ganz klar zum Earbook, darin ist sowohl die „normale“ als auch die kommentierte Version enthalten. Beide haben ihre Vorzüge und können in meinen Augen die jeweils andere nicht ersetzen. Für Sammler und Liebhaber sind ebenfalls verschieden Vinyl Editionen erhältlich.

Ich vergrabe meine Nase jetzt wieder in den Geschichtsbüchern, mir wurde beim Hören dieses Albums und der Recherche dazu bewusst, wie stiefmütterlich dieser einschneidende Abschnitt der Geschichte in meiner Schulzeit behandelt wurde und wie faszinierend und vielschichtig er ist.

Tracks:
Artwork by Peter Sallaí
  1. The Future of Warfare
  2. Seven Pillars of Wisdom
  3. 82nd All the Way
  4. The Attack oft the Dead Men
  5. Devil Dogs
  6. The Red Baron
  7. Great War
  8. A Ghost in the Trenches
  9. Fields of Verdun
  10. The End of the War to End All Wars
  11. In Flanders Fields
Line-up
Credits Tallee Savage

Joakim Brodén – Vocals

Chris Rörland – Guitars 

Tommy Johansson – Guitars

Pär Sundström – Bass

Hannes Van Dahl – Drums