ROCK THE RING – die Rockparty im Autobahnkreisel hat begonnen…

Was will man mehr; schönes Wetter, guten Food, genügend Bier und vier Bands, von denen mich drei überzeugen konnten…

Bilder und Text Danny Frischknecht

Wenn THUNDER, STEEL PANTHER, AIRBOURNE und THE HIVES auf dem Lineup stehen, dann ist eines fast garantiert; Rock’n’Roll Party!

Womit dann für die Bands das Motto gilt; gebt dem Pöbel, was des Pöbels ist!

THUNDER

Die Briten hatten sicher keinen leichten Stand. Als Opener am ersten Tag muss man mit einem halbleeren Infield rechnen, mit Menschen, die oft erst Znacht essen und ein, zwei Bierchen trinken und erst dann einmarschieren. Was für frühe Bands auch eklig ist – der Golden Circle. Diese seltsame Erfindung – die an richtig grossen Openairs nicht denkbar ist – führt dazu, dass oft eine Lücke zwischen dem Bühnengraben und den Fans entsteht – weil die Golden Poeple einfach auch noch nicht zahlreich hier sind.
Wie man mit diesem Dilemma umgehen kann, haben THE HIVES aufgezeigt – dazu aber später.
Wie gesagt, für die Briten war es nicht einfach. THUNDER sind auch eine Band, die ihren Zenith schon vor einigen Jahren überschritten haben, die viele Leute auch schlicht nicht gekannt haben.
Nichtsdestotrotz haben die Jungs einen guten Job gemacht, ihren geradlinigen Rock unter die Leute gebracht, das Festival würdig eröffnet.

STEEL PANTHER

Dass mit der zweiten Band des Abends ein anderer Wind wehen würde. war von vornherein klar. Die kalifornischen Partymetaller von STEEL PANTHER waren kaum auf der Bühne, war ein grosser Teil des Publikums bereits aus dem Häuschen – besonders die weiblichen Besucherinnen. Gendergerecht hin oder her – es ist einfach so.
Das Quartett um Michael Starr, Russ Parish und Stix Zadinia sowie den neuen Bassisten, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, legte dann auch sofort los. Und sofort meint sofort. Was im Übrigen fehlte und schmerzlich vermisst wurde – Lady Lexxi Foxx und ihre Mutter. Die Mutter, weil sich bei STEEL PANTHER bisher so vieles um sie und ihre Garage dreht und Lexxi, weil sie/er ein sehr zentrales Element der Show und der Band war.
Ansonsten verlief die Show wie erwartet; Sleaze oder Glam Rock oder Metal, die engen Hosen, die Löwenmähnen und nicht zu vergessen, die altbekannten und weitgehend zynischen und sexistischen Sprüche. Die Attribute eben, welche die Band ausmachen und die niemand missen mag, zumeist wenigstens. Es gab schon Konzerte, wo man sich wünschte, dass annähernd soviel Musik gespielt wie gequatscht würde. In Hinwil lag das aber im Rahmen Starr und Parish machten sich zwar immer wieder an, imitierten OZZY und stellten fest, dass Russ und OZZY ein gemeinsames Kind hätten – eine Fledermaus.
Selbstverständlich wurde auch wieder von Michael Starrs „kleinem Schwanz“ gesprochen und wie geplant enterten irgendwann auch die hübschen Mädels die Bühne. Für einmal aber war die Bühne nahezu voll, richtig viele Frauen wollten diese Minuten des vergänglichen Ruhms geniessen.
Der Held jedoch war ein kleiner Junge mit Strohhut und knallbuntem Gehörschoner, neben ihm verblasste die gesamte weibliche Schönheit und die bunte Band – Hut ab!
Als Fazit kann gesagt werden – STEEL PANTHER haben ihre Arbeit gut gemacht, sehr gut sogar. Der Autobahnkreisel wurde gerockt, das Publikum tobte bereits am frühen Abend und der Boden war gepflügt für das, was noch kommen würde.

AIRBOURNE

Die Australier waren noch nicht einmal auf der Bühne, als schon ein Ruck durch die Crowd ging; „Ready To Rock“ wurde bereits eingespielt, Ryan O’Keefe übernahm die Drums, Harri Harrison und Justin Street langten in die Saiten und wie ein Blitz enterte der Mann die Bühne, der einmal mehr die hohen Erwartungen mehr als erfüllt; Joel O’Keefe.
Keine Ahnung, was sich der Junge vor den Konzerten einpfeift, oder welche Stoffwechselstörung er hat – kommt der Sänger und Leadgitarrist auf die Bühne, geht die Post ab und die Security macht sich Sorgen. Ein Mann, der sich die E-Gitarre auf den Rücken schwingt und das Bühnengerüst hinaufklettert? Joel O’Keefe. Ein Mann, der sich eine Bierbüchse auf dem Kopf zerdeppert? Joel O’Keefe!

Und auch am ROCK THE RING gab der Frontmann alles. Das Gerüst war nicht machbar weil so nicht vorhanden. Was aber ging – und wie – sich auf die Schultern eines Security schwingen und bereits beim zweiten Song ins Publikum abtauchen. Natürlich mit Headset und Gitarre, weiterspielen und singen muss ja sein. Selbst dann, als die berühmte Bierbüchse auftauchte und die nasse Haarpracht des Aussie malträtierte – der Song ging weiter. Für einmal dürfte der Golden Circle eine gute Wirkung gehabt haben – es konnten schlicht nicht mehr Leute nach vorne drängen, als schon im Circle waren.
Der Rest der Show? Klar, AC/DC auf Koks, mit literweise Adrenalin abgefüllt oder was auch immer – AIRBOURNE sind einfach gute eineinhalb Stunden purer Starkstromgitarrenmusik – ohne Pause, ohne Balladen, ohne Gequatsche. Kick Ass Rock mitten in die Kauschublade – jawoll!
Mein Headliner des Abends und ein Stück weit des Festivals war angekommen, hatte gesehen und gesiegt!

THE HIVES

Nenne wir die Schweden einmal Co-Headliner – mehr als bei AIRBOURNE war an diesem Abend schlicht nicht mehr möglich. Ich habe die HIVES bisher zweimal live gesehen und sie haben jedesmal Spass gemacht – Bühnentiere sind sie allemal und ihre Punk-Rock-Mischung ist immer für einen wilden Ritt gut.

Pelle Almquist und seine Kollegen hielten sich auf jeden Fall nicht lange mit Warmlaufen auf. Ein Konzertstart ist ein Konzertstart ist ein Konzertstart – und das können die HIVES. Adrett frisiert und im gepflegten Anzug – über dessen Gestaltung man sich streiten mag – pfefferten die Jungs einfach mal die eine oder andere Soundwalze von der Bühne. Almquist hatte das Publikum sofort im Griff – keiner der Jungs auf der Bühne schonte sich. Einer, der ein grosses Problem hatte – der Kabelverantwortliche von Pelles Mikrofon. Da nicht verfunkt, musste das Kabel entsprechend den Ausflügen des Sängers jeweils ausgefahren und wieder eingerollt werden – was zur Herausforderung wird, wenn der Boss die Bühne verlässt und schnurstracks ins Publikum verschwindet. Das O’Keefe Beispiel schien nachzuwirken.
Interessant fand ich die Handyspielereien. Einerseits machte er die Selfiespielchen der Fans mit, andererseits riss er ihnen die Handys aus der Hand und wollte die Inhalte sehen. Allerdings hat er sie schön brav wieder ihren BesitzerInnen zukommen lassen.
Später auf der Bühne beklagte er sich dann bitterlich darüber, dass alle Handys hätten und filmten, während sie doch direkt vor ihnen auf der Bühne standen und ihr Bestes gaben – naju, so ist das halt.
Und jetzt zu der Golden Circle – Geschichte. Heute werden ja exzessiv Songerzonen an Konzerten eröffnet. Wo man sich früher sputete und früh am Zaun stand, um einen guten Platz zu haben – gibt es heute Zonen. Zuerst der harmlose und mittlerwele bekannte Golden Circle. Mittlerweile gibt es aber auch den Golden Circle im Golden Circle. Dann gibt es VIP-Bereiche – wobei VIP hier nur bedeutet, dass sich da tummeln darf, wer entsprechend viel fürs Ticket bezahlt – Cüpli inklusive. Natürlich gibt es auch Zonen für Sponsoren – verständlich.
Pelle jedenfalls fand das schräg. Zuerst erkundigte er sich, warum denn vor der Bühne noch so viel Platz wäre. Dann fand er das unverständlich, doof. und dann forderte er die „Türsteher“ dazu auf, den Circle auch für nichtgoldene Menschen zu öffnen. Diese kuckten zuerst verwirrt und hielten den Massen stand. Als dann via Funk eine Mitteilung kam, geschah das Unerwartete – der Golden Circle wurde tatsächlich für den Rest des Konzertes auch dem gemeinen Volk geöffnet – hab ich so noch nie erlebt.

Jedenfalls, die HIVES haben sich nicht nur als Robin Hoods für die verarmten Konzertgänger eingesetzt, sie haben auch ein grandioses Konzert geliefert – viel Power, viel Druck, erdigen Rock mit viel Punkattitüde. Keine Steigerung gegenüber AIRBOURNE, aber ein sehr gelungener Abschluss des ersten Abends.