PRIMAL FEAR – das Album des Jahres ist da!

Klar weiss ich, dass das Album „Metal Commando“ schon einige Zeit auf dem Markt ist und es diverse gute Charteinstiege erreicht hat. Ich musste mich trotzdem intensiv mit der Scheibe befassen – und das braucht Zeit!

Danny Frischknecht
fünf von fünf bonehands!

PowerMetal aus Deutschland zuhause bei Nuclear Blast

english version below!

Ja, das wird eine granatenmässige Schwärmerei und das Album hat mich völlig weggehauen. Warum diese Review nicht zum Veröffentlichungstermin oder früher erschienen ist, wie es sich gehört? Weil ich mein erstes Gefühl bestätigen musste, die ersten Eindrücke festigen. Schliesslich vergebe ich das Prädikat „Album des Jahres“ nicht leichtfertig.
PRIMAL FEAR sind seit gefühlten hundert Jahren unterwegs, genaugenommen seit 1997. Ungewöhnlich dabei ist, dass die Gründungsmitglieder Ralf Scheepers (Gesang), Mat Sinner (Gesang und Bass) sowie Gitarrist Tom Naumann noch oder wieder mitmischen. Tom Naumann hat zu PRIMAL FEAR so eine Art „on-off“-Beziehung, seit 2015 ist er wieder angekommen.
Neben den Urgesteinen sind Magnus Karlsson und Alex Beyrodt an den Sechssaitern und Michael Ehré an den Drums dabei, was insgesamt eine hochexplosive Mischung ergibt.
Ich halte insgesamt nicht viel vom Wikipedia-Beitrag zur Sparte „Power Metal“, besonders, weil da einige Bands aufgeführt werden, welche ich definitiv nicht in diesem Subgenre sehe. Wenn ich aber Exponenten aufzähle wir HAMMERFALL, SABATON, HELLOWEEN, DRAGONFORCE, POWERWOLF oder RAGE, dann muss ich sagen, dass ich PRIMAL FEAR zunehmend als die Speerspitze dieses Styles sehe. Sie sind zwar nicht so schnell unterwegs wie DRAGONFORCE, nicht ganz so episch wie HAMMERFALL, definitiv weniger geschminkt als POWERWOLF und nicht so militärisch wie SABATON. Dafür sind sie kreativ, wandelbar, vielfältig und musikalisch einfach perfekt.

Mit „Metal Commando“ hat die Band einen Meilenstein sondergleichen an den Start gebracht. Elf Songs tummeln sich auf Studioscheibe Nummer 13, davon der dreizehnminütige Kracher „Infinity“. Dass das Album sämtliche Powermetal-Ingredenzien enthält, ist selbstredend; geile Riffs und Soli, knackige Drums und viel Tempo, als Sahnehäubchen der so charakteristisch hohe Gesang, sei es als Solo von Scheepers oder als mehrstimmige Parts.
Beispiele gefällig für geile Tracks? Kein Problem, ich kann elf nennen.
„Infinity“ ist ein Track für Männer mit Eiern – wer erwartet und fordert heute schon von seinem Publikum, dass es sich eine dreizehnminütige Erzählung anhört. Hier ist das kein Problem, vielmehr eine helle Freude. Glocken und Gitarrensololinien eröffnen den Song, sehr harmonisch, getragen. Scheepers steigt dann ein und mimt den Erzähler und zeigt mal kurz auf, wie eine geile Metalstimme zu klingen hat. Die Hookline, welche sich immer wieder aus dem Hintergrund herausschält, ist schlicht genial. Ton für Ton präzise gesetzt, nicht zu viele, aber auch nicht zu wenige Töne. Nach zwei Minuten baut sich eine Riffwelle auf, Drums und Bass geben zunehmend mehr Gas – so geht Powermetal! Der Refrain ist sehr eingängig, wird live eine Mitsinghymne geben, welche auch 50’000 taktrein hinkriegen, die Melodie packt dich und bleibt hängen. Nach und nach lösen instrumentale Parts den Gesang ab, die Saitenmänner greifen dominant ins Geschehen ein. Ab Minute sieben tauchen kurz die Glocken wieder auf, bevor die Gitarre in einen ruhigen Gesangsteil überleitet und sich der Refrain wieder aufbaut, die Musik hochhievt und zu einem Turm an Kraft und Energie aufrichtet. Nach neun Minuten 45 deucht es einem zuweilen, der Track wäre fertig, es würde in einen neuen Song übergeleitet. Monastärer Gesang taucht im Hintergrund auf, untermalt mit Trommeln und Pianophrasen, die Musik schraubt sich einmal mehr aus dem Hintergrund auf, bevor ein Glockenschlag das Riffing wieder einlädt, die Drums einsetzen und die Gitarren den Refrain wieder anspielen, wie neu einführen. Jetzt ist der Track symphonisch, filmtauglich, baut immer mehr Spannung auf, die sich erst löst, als die Glocken langsam abebben und das Piano sanft überleitet. Dann ist Ende, fertig, aus nach 13 Minuten und 12 Sekunden. Das Ding gehört auf einen Anlage gespielt, die genügend Wumms hat!
Es gibt da aber noch weitere 43 Minuten Musik. Mein Lieblingstrack – er könnte aus dem Powermetal-Lehrbuch stammen – ist „Halo“. Straight ahead, druckvoll und schnell, mehrstimmiger Gesang und mehrstimmige Gitarren inklusive, vorwärtsgepeitscht von hämmernden Drums und wummerndem Bass – so muss das sein!

Ähnlich ergeht es mir, wenn ich mir den Opener „I Am Alive“ anhöre. Der Track fängt bombastischer an, nimmt aber schnell Fahrt auf und ist dann nicht mehr aufzuhalten. Es gibt nur eine Richtung – Vorwärts, und zwar schnell!
Eine Kampfhymne darf nicht fehlen, mit „Raise Your Fists“ wird sie geliefert. Der Track siedelt sich im mittleren Tempobereich an, gibt Scheepers Stimme enorm viel Platz, bietet Glissando und Vibrato Raum und setzt sich direkt im Gehörgang fest.
Verweilen wir kurz bei den schnellen Tracks, bevor wir uns dem sanften Teil des Albums zuwenden.
„Howl Of The Banshees“ ist mein zweiter Lieblingstrack. Hier macht die Gitarrenarbeit besonders Spass, mal verspielt, mal schnell und fett – mit einer Hookline, die dazu führt, dass die Fans bei diesem Track sofort abgehen werden. Das wird ein Live-Kracher!
Dann verlieren wir doch noch ein Wörtchen zum sanftesten Track. Scheepers eröffnet „I Will Be Gone“ und pfeffert eine Stimme auf den Tisch, welche sich mit den grössten Rock- und Metalsängern dieser Welt messen kann. Der Song selber ist eine Rockballade, welche sich gewaschen hat. „I Waited All Too Long, I Will Not Wait anymore… Before You Know, I Will Be Gone“ – das sind die klassischen Herz-zerbrochen–Story-Lyrics, also genau das Richtige für eine Ballade. Der Gesang ist natürlich mehrstimmig und schmerzdurchflochten, dringt tief in die Seele und offenbart die Schwächen der menschlichen Psyche… Fuck, hab ich da was Falsches geraucht?
Kurz und bündig; „I Will Be Gone“ ist eine tolle Ballade ohne Schnörkel.

Fazit

Warum genau soll das jetzt das „Album des Jahres“ gewesen sein? Erstens, weil ich bisher kein Album gehört habe, welches gleich gut oder besser war und zweitens, weil ich auch kein solches mehr erwarte. „Metal Commando“ ist musikalisch und technisch perfekt, kein falscher Ton, kein schräges Riff, kein labbriger Bass oder krächzender Gesang, und die Gitarrenarbeit ist schlicht grandios. Zudem ist das Album abwechslungsreich, lotet verschiedene Ecken aus. Das Ganze geschieht ohne masturbatives Verhalten (Gitarren-Rumgesole von DRAGONFORCE:) und ohne übertriebenes Pathos (SABATON…).
Bei „Metal Commando“ meine ich zu spüren, dass die Jungs Spass an der Musik haben, mit Enthusiasmus und Freude am Album gearbeitet und mir dabei eine grosse Freude bereitet haben.

Cover und Tracklist

  1. I Am Alive
  2. Along Came The Devil
  3. Halo
  4. Hear Me Calling
  5. The Lost & The Forgotten
  6. My Name Is Fear
  7. I Will Be Gone
  8. Raise Your Fists
  9. Howl Of The Banshee
  10. Afterlife
  11. Infinity

English Version

Of course I know that the album „Metal Commando“ has been on the market for some time and it has reached several good chart entries. Nevertheless, I had to deal intensively with the record – and that takes time!

Danny Frischknecht

yes, it’s going to be a huge rave and the album has completely blown me away. Why didn’t this review come out on the release date or earlier, as it should have? Because I had to confirm my first feeling, consolidate the first impressions. After all, I don’t give the title „album of the year“ lightly.
PRIMAL FEAR have been on the road for what feels like a hundred years, since 1997 to be precise. What is unusual is that the founding members Ralf Scheepers (vocals), Mat Sinner (vocals and bass) and guitarist Tom Naumann are still or again involved in the band. Tom Naumann has a kind of „on-off“ relationship to PRIMAL FEAR, since 2015 he has been back again.
Besides the primals, Magnus Karlsson and Alex Beyrodt on the six-strings and Michael Ehré on the drums are part of the band, which altogether makes for a highly explosive mix.
I don’t think much of the Wikipedia article on „Power Metal“, especially because there are some bands listed which I definitely don’t see in this subgenre. But when I list exponents like HAMMERFALL, SABATON, HELLOWEEN, DRAGONFORCE, POWERWOLF or RAGE, I have to say that I increasingly see PRIMAL FEAR as the spearhead of this style. They may not be as fast as DRAGONFORCE, not as epic as HAMMERFALL, definitely less made-up than POWERWOLF and not as military as SABATON. But they are creative, changeable, versatile and musically simply perfect.

With „Metal Commando“ the band has set an unparalleled milestone. Eleven songs cavort on studio disc number 13, including the thirteen-minute hit „Infinity“. It goes without saying that the album contains all the power metal ingredients; cool riffs and solos, crisp drums and a lot of tempo, the icing on the cake being the characteristically high vocals, whether as a solo by Scheepers or as polyphonic parts.
You want examples of cool tracks? No problem, I can name eleven.
„Infinity“ is a track for men with balls – those who expect and demand from their audience today that they listen to a thirteen-minute story. Here this is not a problem, rather a bright joy. Bells and guitar solo lines open the song, very harmonious, carried. Scheepers then steps in and mimes the narrator and briefly points out how a horny metal voice has to sound. The hookline, which keeps peeling out of the background, is simply brilliant. Set precisely tone for tone, not too many, but not too few tones. After two minutes a riff wave builds up, drums and bass give more and more gas – this is how Powermetal goes! The chorus is very catchy, will give a sing-along anthem live, which can also be sung 50’000 beats per minute, the melody grabs you and stays there. Bit by bit instrumental parts replace the singing, the stringmen intervene dominantly in the action. From minute seven on, the bells briefly reappear before the guitar leads into a quiet vocal part and the chorus builds up again, lifting the music up and raising it to a tower of power and energy. After nine minutes 45, it sometimes seems as if the track is finished, it is transferred into a new song. Monastic vocals appear in the background, accompanied by drums and piano phrases, the music spirals up once more from the background before a chime re-invites the riffing, the drums kick in, and the guitars play the chorus again, like a new introduction. Now the track is symphonic, suitable for film, builds up more and more tension, which only dissolves when the bells slowly fade away and the piano gently leads over. Then the end, finished, is over after 13 minutes and 12 seconds. The thing should be played on a system that has enough humming!
But there is another 43 minutes of music. My favorite track – it could be from the power metal textbook – is „Halo“. Straight ahead, powerful and fast, polyphonic vocals and polyphonic guitars included, whipped forward by hammering drums and booming bass – that’s how it has to be!

I feel a similar feeling when I listen to the opener „I Am Alive“. The track starts out more bombastic, but quickly picks up speed and can’t be stopped anymore. There is only one direction – forward, and fast!
A battle anthem should not be missing, it comes with „Raise Your Fists“. The track settles in the middle tempo range, gives Scheeper’s voice an enormous amount of space, offers glissando and vibrato space and settles directly into the ear canal.
Let’s linger a while with the fast tracks before we turn to the soft part of the album.
„Howl Of The Banshees“ is my second favorite track. Here the guitar work is especially fun, sometimes playful, sometimes fast and fat – with a hookline that will make the fans go wild on this track. This will be a live-firecracker!
Then we lose a word about the smoothest track. Scheepers opens „I Will Be Gone“ and pepper a voice on the table that can compete with the greatest rock and metal singers of this world. The song itself is a rock ballad, which has washed itself. „I Waited All Too Long, I Will Not Wait anymore… Before You Know, I Will Be Gone“ – these are the classic heartbreaking-story lyrics, just the right thing for a ballad. The vocals are of course polyphonic and interwoven with pain, penetrate deep into the soul and reveal the weaknesses of the human psyche… Fuck, did I smoke something wrong?
Short and sweet; „I Will Be Gone“ is a great ballad without frills.

Conclusion

Why exactly should this have been the „album of the year“? Firstly, because I haven’t heard an album that was equally good or better and secondly, because I don’t expect one anymore. „Metal Commando“ is musically and technically perfect, no wrong tone, no weird riff, no sloppy bass or croaky vocals, and the guitar work is simply terrific. Moreover, the album is varied, exploring different corners. The whole thing happens without masturbative behaviour (guitar rumgesole by DRAGONFORCE 🙂 and without exaggerated pathos (SABATON…).
With „Metal Commando“ I mean to feel that the guys have fun with the music, worked with enthusiasm and joy on the album and gave me a lot of pleasure.