LINKIN PARK im Letzigrund – was für ein Abend!
Wow, was will man mehr als knapp 50’000 gutgelaunte Menschen, die einer ebenso gutgelaunten Band zujubeln, dazu ein Gewitter, das zu einer kurzzeiten Unterbrechung führte und ein Wolkenbruch, der glücklicherweise nur den Fotografen bis auf die Haut durchnässte – und das Equipment im Koffer trocken liess.
El Jefe
Als LINKIN PARK vor knapp zwei Jahren zurückgekommen sind, stellte sich die Frage, was sie ohne ihren charismatischen Frontmann Chester Bennington sein würden. Das Comeback wirkte wie ein Paukenschlaf, eine Kampfansage. Ein neues Album mit richtig grossen Songs und eine Sängerin, die man besser kaum hätte finden können. Würde das aufgehen? Es ist aufgegangen.
Emily Armstrong ist eine Urgewalt, nicht mehr und nicht weniger. Was sie stimmlich leistet, ist unglaublich. Ihre Growls wirken vergleichsweise sanft, wenn sie im Anschluss daran ihre Screams in den Himmel über Zürich schleudert. Und als ob es geplant gewesen wäre – die Götter donnern zurück! Ein Gewitter, das sich gewaschen hat, zieht über das Letzigrund-Stadion, das bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Es ist heftig, der Regen scheint von allen Seiten zu kommen, die Blitze erleuchten die Szenerie und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Konzert unterbrochen werden muss. Klar, kein Veranstalter geht hier ein Risiko ein.
Beinahe vierzig Minuten ist die Show unterbrochen, und man mag sich fragen, ob die aufgebaute Intensität diese Pause übersteht, ob die Band anknüpfen kann. Eine Leistung ist es eh, am letzten von einhundert Konzerten der „From Zero“ Welttour nochmals richtig zu performen. wer könnte es der Band verübeln, wenn die Luft ein Stück weit raus wäre? Ist aber nicht!
Es braucht zwar einige Minuten, bis Emily und Fronter Mike Shinoda sich auf den Catwalk trauen, sich dem Publikum nähern, wirklich in Kontakt treten. Auch die anderen Musiker – vom Drummer einmal abgesehen – amchen mehr oder weniger lange Spaziergänge raus in die Menge.
Stichwort – raus in die Menge – Emily Armstrong lässt es sich nicht nehmen, den Catwalk tatsächlich zu verlassen und sich ins Publikum zu stürzen. Ganz nahe bei den Fans performt sie und zeigt, dass sie beim Publikum und in der Band angekommen ist.
Mit dazu beigetragen hat sicher der zweite Coup im Comeback – ein neues Album, das sich nicht zu verstecken braucht. Schon vor dem Comeback war die Liste der LINKIN PARK Hits lange – „From Zero“ hat einige weitere beigetragen. Sei es der Opener „Emptyness Machine“, das heftige „Heavy Is The Crown“ oder das eher poppige „Up From The Bottom“ – das ALbum hat genügend Material, das verhindert, dass die Show zu einem „Absingen“ der alten Hits wurde. Klar, „Numb“ war dabei, „In The End“ ebenso wie „What I’ve done“ oder „Lost“.
Mein Fazit? LINKIN PARK sind definitiv aus dem Schatten von Chester Bennington getreten. Mike Shinoda hat dermassen Spass auf der Bühne, Emily Armstrong performt befreit und der Rest der Band – inklusive dem „neuen“ Drummer Colin Brittain spielen asl LINKIN PARK 2.0 auf. Chester Bennington hat seinen Platz in der Musikgeschichte, in der Geschichte von LINKIN PARK. Und manchmal muss man sich von der Geschichte verabschieden, statt sich eiwg zu verneigen. LINKIN PARK haben gezeigt, dass man einen Neuanfang machen kann, der mehr ist als ein Comeback. Und man darf auch mutmassen, dass der ehemalige Fronter durchaus zufrieden wäre, wenn er sieht, was aus LINKIN PARK geworden ist. Ein grandioses Konzert!
Grossartig auch, dass wir Fotografen das Stadion nicht nahc drei Songs verlassen mussten. Temportär ging es in den Pressebereich, zu den letzten drei Songs durften wir aber nochmals in den Graben. Es war der Wunsch der Band, dass Fotografen da waren, die den Abschluss einer grandiosen Welttournee festhielten, die mit der Band und dem Publikum bis zum Ende feierten! LINKIN PARK – es war mir eine Freude! Danke dafür!
Was bleibt? Nun, dasselbe Verkehrschaos aus Zürich raus wie vor vier Stunden nach Zürich rein. Ein Sturm auf der Bühne und ein Sturm vom Himmel, ein Rückweg zum Auto, der an frühere Konzerte und Festivals erinnert – nass bis auf die Unterwäsche!
Und trotzdem Tausende Menschen, die lachen und ungeachtet des strömenden Regens glücklich durch das untergehende Zürich marschieren – zu ihren Autos, aufs Tram oder zum Bahnhof.
Rocknews dankt an dieser Stelle auch dem Veranstalter LIVENATION für die Akkreditierung. Es ist nicht selbstverständlich, und bei LIVENATION auch nicht immer ganz einfach, dass wir an solchen Konzerten teilnehmen können.
