KOMPLEX zu – der Abbau geht weiter…

KOMPLEX zu – der Abbau geht weiter…
Wird das Konzertlokal Komplex 457 an der Hohlstrasse abgerissen? Zuerich, 29.4.2026

Nach dem X-TRA wird Zürich eine weitere Konzertlocation verlieren – das KOMPLEX 457 wird kommendes Jahr abgerissen und muss einem Wohn- und Hotelkomplex weichen.

El Jefe

Damit verschwindet in Zürich einer der wichtigeren Clubs dieser Grössenordnung – ca. 2’000 Personen maximal – der regelmässig Rock- und Metalkonzerte veranstaltet. Was bleiben wird, sind das Dynamo – allerdings wesentlich kleiner – das Kaufleuten und das Volkshaus, ansonsten dann nur noch die grösseren Locations wie die Halle 622, THE HALL oder das Hallenstadion.
Kaufleuten und Volkshaus waren bisher nicht so die Locations für „harten Sound“ – vielleicht ändert sich das? Die drei oben genannten Hallen decken nur relativ grosse Bands ab. Das ist auf jeden Fall eine traurige Mitteilung sowohl für den Platz Zürich als auch die vielen Fans.

Dass eine Pensionskasse eines grossen Detailhändlers aus einer solchen Liegenschaft mehr Gewinn erwirtschaften wollen, ist klar. Wohnraum wird schliesslich gebraucht, Hotelzimmer in Zürich wohl auch. Trotzdem, der Verlust des KOMPLEX 457 ist gross, der kulturelle Abbau geht leider weiter.

off topic?

Dann noch kurz etwas zu den lauten Voten, die im Zusammenhang mit dieser Schliessung gezogen werden; es sind nicht die „Zuwanderer“, die schuld an dieser Schliessung sind!
Ein grosser Teil der Menschen, welche das Komplex besucht haben, sind ebensolche und habe jahrelang dazu beigetragen, dass das Komplex überleben konnte.

In diesem Zusammenhang gefällt mir die Kolumne aus der heutigen Tageszeitung. Das ist so ein analoges, relativ grosses Ding aus Papier, aus welchem man nach der Lektüre Malerhüte oder Papierschiffe basteln kann. Wenn man denn noch weiss, wie das geht 😉

„70’000 Menschen ziehen pro Jahr in die Schweiz. Zu viele, finden viele. Was tun? Es gäbe allerhand Möglichkeiten. Weniger Teilzeitarbeit, zum Beispiel. Gibt Tausende Stellen, die mit Inländern besetzt werden könnten. Oder länger arbeiten. Bis 67 statt nur bis 65. Macht nochmals den einen oder anderen Ausländer weniger. Oder aber wieder mehr Kinderlein produzieren. Und Schwupps braucht es bald keine deutschen Ärzte und Apotheker mehr.
Die Liste lässt sich beliebig verlängern: Höhere Unternehmenssteuern oder weniger Standortförderung. Oder die Nationalbank erhöht die Zinsen. Das alles würde zuverlässig Arbeitsplätze vernichten – und zack ginge die Zuwanderung zurück.
Derlei Schabernack machen wir natürlich nicht. Zu anstrengend, zu entbehrungsreich. Der Hedonist will Wachstum, Wohlstand, Wellness. Und dann die Türen verriegeln. Wer an Märchen glaubt, soll am 14. Juni unbedingt Ja stimmen.“

Die Kolumne stammt von Stefan Schmied, Chefredaktor des St.Galler Tagblattes, das Original findet sich hier:

https://epaper.thurgauerzeitung.ch/titles/thurgauerzeitung/14875/publications/436/pages/1/articles/2528525/1/7