JOE BONAMASSA im Hallenstadion – „Blues At Its Best“ oder Langeweile?

JOE BONAMASSA im Hallenstadion – „Blues At Its Best“ oder Langeweile?

Wenn JOE BONAMASSA auftritt, wird es langweilig – unweigerlich…

El Jefe

…wobei langweilig erklärt werden muss. Einerseits werden es einige Leute wirklich langweilig finden, dass auf der Bühne relativ wenig geschieht – abgesehen von Musik auf hohem Niveau. Da gibt es kein Spektakel, keinen Rauch, geschweige denn Pyro. Die grösste visuelle Abwechslung besteht darin, dass jedes Bandmitglied einmal einen mehr oder weniger grossen Soloslot kriegt.
selbst die Setlist kriegt man direkt vom Management, adrett gestaltet und die ersten drei Tracks gelb markiert – da mit die Fotonen dann auch wissen, wann für sie Schluss ist.

Eine langweilige Band?

Ansonsten spielt einer unaufgeregt Bass, ein Drummer erledigt seinen Job mehr als souverän, zwei stimmgewaltige Backgroundsängerinnen bieten eine eher unspektakuläre Choreografie. Naja, der Kollege vorne an der Hammondorgel wirkt ein wenig wie das ADHS-Mitglied – jedoch ohne Aufmerksamkeitsdefizit – also quasi nur HS. Nicht zu vergessen, der Rhythmusgitarrist, der ein recht ausgedehntes Solo hinlegen darf und dabei zeigt, dass auch seine Saitenkünste deutlich überdurchschnittlich sind.

Ach ja, fast vergessen, da ist ja noch der eher schweigsame Maestro himself. Schweigsam stimmt allerdings auch wieder nicht, im Gegensatz zu anderen Konzerten spricht er relativ früh. Und ein Thema scheint ihn besonders zu beschäftigen; er wird 48. Oder doch 47 oder 49? Spielt keine Rolle, immerhin plaudert der Gitarrengrossmeister nett mit seinem Publikum. Und last but not least – die Lichtshow ist auch nicht aussergewöhnlich.

Also tatsächlich langweilig?

Somit hätten wir alle Ingredienzen für ein langweiliges Konzert; wäre da nicht die Musik! Und damit sind wir wieder bei der Langeweile. JOE BONAMASSA spielt dermassen grossartig und hat sich mit derartig grossartigen Mitmusikerinnen und -musikern umgeben, dass das durchgehend hohe Niveau fast schon wieder langweilig ist. Verflucht, da passt alles, da sitzt jeder Ton, da wird Bluesrock auf einem Level abgeliefert, wie es ausser JOE BONAMASSA nicht mehr viele Gitarristen auf dieser Welt können.

Und genau darum ist es nicht langweilig…

Das ist dann genau das, weswegen die Menschen ins Hallenstadion geströmt sind. Es ist die Musik, der Blues, die hochklassige Band die das Konzert zu einem ganz und gar nicht langweiligen Event macht. Da stört es auch nciht, dass das gesamte Hallenstadion gestuhlt ist und die Bewegungsspielräume für das Publikum relativ klein sind. Da stört es auch nicht, wenn zwischendurch Menschen aufstehen, sich ein neues Bier holen und sich dann wieder hinsetzen. Was an diesem Abend in Zürich geschieht, ist eine Verwandlung – das grosse Hallenstadion wird zu einem intimen Club, zu einem Ort, an den man wegen der Musik strömt, wegen der grossen Klasse des wohl besten Bluesrock-Gitarristen, der momentan die Bühnen einnimmt. JOE BONAMASSA und seine Band beweisen nicht nur, dass der Satz „only black men can play the blues“ nicht stimmt, sondern auch, dass ein gutes Konzert kein Spektakel braucht, keine visuellen Effekte, kein Feuer und keinen Rauch. Gute, sehr gute Musik reicht absolut!