ELUVEITIE – Feuerwerk im Gaswerk

Es ist jetzt nicht so, dass ich zum ersten Mal an einem Konzert von ELUVEITIE war – auf jeden Fall aber an einem der besten. Das CD-Release von „Ategnatos“ im Gaswerk Winterthur war ein Fest.

Bilder und Text Danny Frischknecht

Dass ELUVEITIE eine Live-Instanz sind, weiss man mittlerweile landauf, landab – weltweit eigentlich. Ich gehe einmal davon aus, dass Chrigel als „all time lineuper“ über tausend Shows bestritten hat.
Mittlerweile ist die Band seit gut zwei Jahren im gleichen Lineup unterwegs und beweist, dass die Einheit stimmt, dass die Jungs und Mädels miteinander können. Dass da lauter Musikerinnen und Musiker auf der Bühne stehen, welche ihr Handwerk verstehen, ist auch keine neue Erkenntnis.
Da ich die Kapelle in dieser Besetzung lediglich an grösseren Festivals live gesehen habe und nicht immer vom Sound überzeugt gewesen war, waren die Spannung und der Anspruch an den relativ kleinen Klub entsprechend hoch. Es ist einfach so, in einer intimen Location kannst du zeigen, was geht oder eben auch nicht.
Zudem bin ich seit einigen Wochen im Besitz des neuen Albums „Ategnatos“, das ich hier auch schon besprochen habe. Ich war restlos begeistert, für mich das Album, welches mit meinem bisherigen Liebling „Everything Remains As It Never Was“ gleichgezogen ist.

INFINITAS
Die Muotathaler Band um Piri Betschart und Selv Martone „musigen“ seit zehn Jahren und haben sich seither einen Ruf über die Schweiz hinaus aufgebaut. Dieses Jahr wird die Truppe beispielsweise an den METALDAYS in Slowenien spielen.
Sie bezeichnen sich selber als Melodic Thrasher, was mir etwas schräg rüber kam. Klingt das jetzt wie METALLICA bei ihren Balladen oder sind das sanfte Gesänge in hohem Tempo? Egal, ich kam auf jeden Fall zu spät – weil der Gig mehr als pünktlich begann und ich mich wegen eines fehlenden Fotopasses herumärgern musste. Wenn man das Management des Headliners kennt, erleichtert das so manches im Leben – danke Oli!
Zweite Enttäuschung; einen etwas weniger mühsamen Weg zum Fotopit, als durch die Crowd gab es nicht. Nun ja, dann halt auf die Empore und mittelmässiges Bild Material produziert. Immerhin, das Urner Trüppchen zog ganz schön vom Leder und bereitete das knallvolle Gaswerk für den Headliner vor. Dass da am Bass und der Violine momentan noch zwei Sessionmusiker werkeln, war auf jeden Fall nicht zu spüren oder zu hören. Die Band machte ordentlich Druck, schein Spass auf der Bühne zu haben und schaffte es, diesen auf das Publikum zu übertragen.

Nach einer Pause, welche mir ermöglichte, mich durch die leicht gelockerten Reihen der Fans vor die Bühne zu kämpfen, erschienen dann die glücklichen Eltern – ELUVEITIE an Bord!
Chrigel Glanzmann und seine Kapelle fackelten nicht lange, Vollgas und ab durch die Mitte. Ich hab die Band seit einiger Zeit nicht mehr so kompakt und druckvoll erlebt, der Funke sprang sofort über, das Gaswerk brodelte schon nach wenigen Minuten. Mit „King“ und „Nil“ lieferten ELU gleich zwei Klassiker ab, legten mit „Death Walker“ und „Black Water Dawn“ sofort zwei Tracks vom neuen Album dazu und kamen dann zu meinem absoluten Lieblingstrack; „Quoth The Raven“. An diesem Song wird gemessen, ob eine Sängerin bei ELU bestehen kann. Für mich ist das nach wie vor einer der dichtesten Tracks von ELUVEITIE, ein absoluter Hookliner, druckvoll und mit Melodietracks, die unter die Haut gehen. Absoluter Höhepunkt sind die Gesangspassagen des Refrains, welche von Chrigels Growls vorbereitet werden. Die perfekten Drums, Gitarrenriffs ohne Schnörkel, eine grooviger Bass und die wiegende Fiedel. Und dann der Höhepunkt: „…hear my cryyyyyyy!“. Obwohl Anna Murphy heute ganz andere gesangliche Qualitäten zeigt, bisher war sie hier das Mass aller Dinge. Und deswegen mein Kompliment an Fabienne Erni – sie wird den Erwartungen gerecht, zeigt hier und den ganzen restlichen Abend, was sie stimmlich drauf hat.

Mit dem „Helvetios“-Kracher „A Rose For Epona“ geht es dann weiter durch die Geschichte der New Wave Of Folk Metal – Helden – wohl eine der schönsten Powerballaden der Band.
„Lugus“, „Artio“ und „Epona“ ab „Evocation““ – Pantheon“ bestimmten dann den akustischen Teil der Show. Und weiter geht es mit der Reise durch die ELU-Geschichte, über „Worship“, „A Cry In The Wilderness“, „Kingdom Come Undone“ oder „Alesia“.
Bei seinem Drumsolo – etwas eher seltenes bei Metalbands – zeigt Alain Ackermann schliesslich, was in seinen Armen und Beinen steckt. Wöhrend er losbrettert, thront er schon beinahe erhaben über der Bühne in gleissende, weisse Schweinwerfer getaucht.
Nur einmal kommt der Schnellzug ins Stocken, erschüttert ein technisches Problem die Show. Chrigel bittet um fünf MInuten Geduld, um anschliessend sofort wieder Fahrt aufzunehmen. Einen zauberhaften Break bildet dann das Solo von NIcole Ansperger, die eine Brise klassischer Musik in den überhitzten Saal lässt.
Was soll man sagen, mit „Ambiramus“ und „Breathe“ biegen die Folkmetaller in die Zielgerade ein, „Grey Sublime Archon“, „Tegernako“ und „Helvetios“ beschliessen den offiziellen Teil des Gigs.
Selbstverständlich lässt die Menge ELU nicht ohne Zugeben gehen. Nach „Rebirth“ ab dem Album „Ategnatos“ schliesst mit „Inis Mona“ einer der grössten Hits der Band einen mehr als gelungenen Abend ab.

Fazit
ELUVEITIE haben einen würdigen Geburts-Tag ihres neuen Albums gefeiert. Nicht nur, dass „Ategnatos“ grossartig ist, auch die Show im Winterthurer Gaswerk war es. Der Entscheid, dazu den vergleichsweise kleinen Klub in der Homebase zu wählen, war zu einhundert Prozent richtig.
Es hat einfach alles gepasst, Sound, Show, Stimmung. Das Baby ist geboren und macht sich auf, die Welt zu erobern – ELUVEITIE at its best!