Behind The Scenes: Veranstaltungstechniker

Nach einem langen Unterbruch gibt es heute einen neuen Beitrag in der Sparte Behind The Scenes. Das Thema diesmal ist etwas klassischer, nämlich ein Ausbildungsberuf.

Claudia Chiodi

Die 22jährige Martina aus Bludenz, Österreich, ist zur Zeit Lehrling für Veranstaltungstechnik in Bregenz. Ihr Arbeitgeber Kongresskultur Bregenz GmbH ist vielleicht unseren Lesern nicht unbedingt ein Begriff, aber das Aushängeschild, die Seebühne bei den Bregenzer Festspielen, dürfte doch bekannt sein. Im Folgenden beschreibt sie mit ihren eigenen Worten, wie ihre Arbeit normalerweise aussieht. Wie wir alle wissen ist im Moment allerdings alles etwas anders, der Bericht erzählt vom Arbeitsalltag vor Corona. Wer sich hier angesprochen fühlt, Ausbildungsplätze sind für 2021 wieder zu vergeben, weitere Informationen findet ihr über die Homepage der Bregenzer Festspiele (https://bregenzerfestspiele.com/de/jobs).

Arbeitsalltag: 

Im Allgemeinen werde ich während meiner Lehre in den verschiedensten Bereichen der Veranstaltungstechnik ausgebildet. So befinde ich mich immer für jeweils 4 Monate in den Abteilungen Licht, Ton, Multimedia und Bühne und lerne so die unterschiedlichen Aufgaben eines Technikers während einer Veranstaltung kennen. 

An meiner Ausbildungsstelle haben wir immer eine Sommersaison, in welcher die bekannten Bregenzer Festspiele stattfinden, und eine Wintersaison, in der verschiedene Events wie Maturabälle, Konzerte, Messen oder Galaabende durchgeführt werden. 

Während einer Wintersaison arbeiten wir hauptsächlich veranstaltungsabhängig, da wir im Festspielhaus mehrere Veranstaltungsräume mit verschiedensten Events haben. Hierbei liegt unsere Hauptaufgabe dabei, die nötige Technik für die Veranstaltungen zu planen und das benötigte Material in dem jeweiligen Raum aufzubauen. Bevor die Besucher und Kunden kommen muss die Technik natürlich auch gecheckt werden, sodass mögliche Fehler noch früh genug entdeckt und behoben werden können. 

Sobald die Kunden dann anwesend sind werden Proben und die letzten Checks durchgeführt. Gerade bei Maturabällen oder Galaabenden sind diese Proben sehr wichtig für uns Techniker, da wir meist erst dann den genauen Ablauf der Veranstaltung erfahren und uns so nochmals eine genaue Übersicht verschaffen können. Wenn etwa kleinere Einlagen oder Auftritte bei den Abenden integriert sind, können wir Techniker so etwa eine kleine Lichtshow programmieren, die Mikrofonwechsel planen oder die Visuals der Multimediatechnik auf die Veranstaltung anpassen. 

Während der Veranstaltung sind wir Techniker dann natürlich ebenso anwesend und sorgen für den reibungslosen Ablauf. Dies beinhaltet die ständige Anwesenheit an den Steuerungspulten, das Einhalten der vorgeschriebenen Lautstärkepegeln und natürlich auch die verschiedenen mit dem Kunden besprochenen Programmpunkte. 

Nach der Veranstaltung sind wir dafür verantwortlich, dass die technischen Anlagen fachgerecht abgeschaltet werden und das Material wieder den Weg zurück ins Lager findet. Gegebenenfalls müssen wir dann noch Reparaturen oder Revisionen an den Geräten durchführen, für die wir ebenso zuständig sind. 

Sobald alles wieder fachgerecht versorgt und aufgeräumt ist, fängt das ganze Spiel meist wieder von vorne an und die nächste Veranstaltung ist an der Reihe. 

Unsere Werkstattbühne ist in der Wintersaison schon mit einem gewissen Grundsetup an Technik ausgestattet, sodass dort nicht immer das gesamte Material wieder auf- und abgebaut werden muss. Damit sparen wir uns glücklicherweise viele wiederkehrende Handgriffe und die Zeit, welche ansonsten für Auf- und Abbauten benötigt wird, kann für weitere Veranstaltungen oder Proben in diesem Raum genutzt werden.  

Ausbilder und Lehrlinge
Bild: Kongresskultur Bregenz – Anja Köhler

Die Sommersaison ist völlig auf die Aufführungen  der verschiedensten Stücke und Konzerte der Bregenzer Festspiele konzentriert. Allen voran natürlich unsere weltbekannten Opern auf dem Bodensee, welche immer wieder durch ihre imposanten Bühnenbilder oder technischen Inszenierungen die Zuschauer begeistern. Natürlich sind wir Lehrlinge bei allen möglichen Produktionen der Bregenzer Festspiele involviert, haben aber für den Sommer meist eine fixe Zuteilung zu einer Produktion bzw. Produktionsreihe. So sind wir entweder auf der Seebühne im Einsatz oder können bei unserer Hausoper im großen Saal, den Produktionen im Kornmarkttheater und der Werkstattbühne, sowie den Orchesterkonzerten und dem Crossculture Projekt mitarbeiten.

Ich beschreibe euch jedoch hier einen klassischen Arbeitstag einer Bühnentechnikerin auf der Seebühne, da ich dort selbst im Sommer 2018 während der Oper Carmen von George Bizet bei der Abteilung Bühne im Einsatz war.

Ein klassischer Arbeitstag im Sommer auf der Seebühne hat meistens immer den gleichen Ablauf und wir arbeiten während der Spielzeit in einer 6-Tage Woche, wobei man sich am Anfang der Saison noch im Probenbetrieb befindet ehe Mitte Juli die Aufführungen beginnen. Meist beginnen unsere Tage gegen frühen Nachmittag und je nach Abteilung gibt es verschiedenste Dinge zu erledigen, welche die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Probe oder Vorstellung bilden. Die Bühnentechniker kümmern sich vor allem zuerst um den einwandfreien Zustand der Bühne. Dies beinhaltet vor allem das Entfernen von Spinnennetzen, möglichem Schwemmholz auf dem  Wasser um die Bühne herum oder die Kontrolle der Spielfläche, um bei möglichen Schäden des Bühnenbildes gleich reagieren zu können. Ebenso haben wir unter Tags Führungswege aufgebaut, sodass niemand Unbefugtes die Bühne betreten kann, welche zu Beginn unserer Schicht entfernt werden müssen.

Bild: Bregenzer Festspiele – Vera Sonderegger

Ein paar meiner Arbeitskollegen führen auch regelmäßige Tauchgänge um und unter der Bühne durch. Da unser Bühnenbild mitten im See erbaut ist, ist dies der einzige Weg etwaige Schäden zu finden und gegebenenfalls zu reparieren. Aber auch sonst sind wir bei Reparaturarbeiten hauptsächlich auf unsere Arbeitsboote und den Seeweg angewiesen.

Sind alle Reparaturen und Kontrollarbeiten abgeschlossen, sind die Checks an der Reihe. Da es meist bewegliche Bühnenteile auf dem See gibt, müssen diese einmal am Tag Probe gefahren werden, sodass deren Funktion kontrolliert und mögliche Fehler früh genug entdeckt werden können. Sobald auch die Bewegungschecks fertig sind, kann die Bühne durch den Bühnenmeister freigegeben werden. 

Dann beginnen die Proben oder aber die letzten Vorbereitungen für die Aufführungen. Man glaubt oft gar nicht, wie viele Leute an solch einer Produktion beteiligt sind, bis man einmal das Gewusel hinter einer Bühne selbst mitbekommen hat. Da die Seebühne nur über einen Zugangssteg erreichbar ist, welcher von den Zuschauern gesehen werden kann, müssen alle Beteiligten spätestens eine Stunde vor Vorstellungsbeginn den Steg passiert haben und so sammelt sich die gesamte Belegschaft natürlich auf der Hinterbühne. 

Während den Vorstellungen hat meist jeder Techniker seine ganz eigenen Aufgaben. Entweder man ist für die Steuerung der Bühnentechnik zuständig, kümmert sich um Umbauten oder man ist sogar ebenfalls kostümiert, um ungesehen Arbeiten erledigen zu können, welche in das Stück integriert wurden. 

So hatte auch ich 2018 die spannende Aufgabe in ein Kostüm zu schlüpfen. Während der Schmugglerszene von Carmen war ich als Schmuggler verkleidet und musste eines unserer Boote szenisch im See um die Bühne herumbewegen oder auch ab und an einen Schmuggler an der Bühnenkante abliefern. So war ich natürlich auch dafür verantwortlich, dass mein Boot funktionstüchtig war und ich zur passenden Zeit im Bühnenbild mit dem Boot einfuhr. Der ganze Ablauf einer Show ist gecallt, sodass jeder Einsatz der Technik oder Auftritt der Künstler mit der Musik übereinstimmt.

Das Spiel auf dem See endet meist kurz vor Mitternacht, da natürlich die Szenerie erst so richtig zur Geltung kommt, wenn die Sonne untergegangen ist. Die Aufgabe der Technik ist dann natürlich die Seebühne wieder in Ruheposition zu bringen, die Boote zu versorgen und wieder die Führungswege aufzubauen. 

Bei unserem derzeitigen Bühnenbild der Oper Rigoletto bezeichnen wir das Aufräumen der Bühne und das Einnehmen der Ruheposition scherzhaft als „schlafen legen“, da der große Clownskopf unter Tags aussieht als würde er schlafen, bis wir ihn Abends wieder zum Leben erwecken und den Zuschauern Verdis Geschichte von dem Hofnarren Rigoletto am Hofe des Herzogs von Mantua erzählen.

Was mir an meiner Arbeit am besten gefällt

Es ist sicherlich die Varietät die der Beruf als Veranstaltungstechniker mit sich bringt. Erstens lerne ich alle technischen Bereiche kennen, die für eine Veranstaltung benötigt werden, zweitens gibt es so viele Arten von Veranstaltungen, dass man immer wieder etwas Neues kennenlernt. Ebenso erlebt man Augenblicke und Momente, welche man nur hinter den Kulissen einer Show erleben kann.

Zudem ist die Branche sehr offen und kreativ. So wird jeder akzeptiert, wie man eben ist, und man knüpft viele Kontakte mit verschiedensten Leuten.

Kehrseiten meiner Arbeit

Da Veranstaltungen meist abends oder an einem Wochenende stattfindet, richten sich auch die Arbeitszeiten als Veranstaltungstechniker danach. Somit kann das Privatleben gerne einmal etwas auf der Strecke liegen, da man zu Zeiten an denen andere feiern gehen, Konzerte besuchen oder sich miteinander treffen, eben arbeiten muss. Es ist eben kein Montag bis Freitag 8-17 Uhr Job sondern zeitlich sehr flexibel, sodass man auch mal über Nacht arbeitet oder am Wochenende zu tun hat.  

Für meine Arbeit benötigte Fähigkeiten

Wie oben schon erwähnt, sollte man die Bereitschaft zu jeder möglichen Tages- oder Nachtzeit zu arbeiten schon mitbringen. Technisches Verständnis und das Interesse für die Technik sollten vorhanden sein, ebenso wie man am besten Schwindelfrei sein sollte, da es gerne mal hoch hinausgehen kann in diesem Beruf. 

Lehrlinge
Bild: Kongresskultur Bregenz – Anja Köhler

Auch muss einem klar sein, dass der Beruf körperlich anspruchsvoll sein kann, da ein Lautsprecher oder Scheinwerfer gerne gleich mal einiges an Gewicht haben kann und auch im Bereich Bühne oft größere oder schwerere Teile zu heben sind. Hinzu kommt, dass man nicht immer ein Dach über dem Kopf hat und im Freien arbeitet, also auch ab und an sprichwörtlich im Regen steht. 

Dennoch sollten diese Dinge kein Hindernis für jemanden sein, der Interesse an dem Beruf zeigt und sich in die Veranstaltungsbranche miteinbringen will. Spaß macht die Arbeit als Veranstaltungstechniker auf jeden Fall und die Erfahrungen, die man in diesem Beruf macht, kann einem niemand mehr nehmen.

Mein Weg zu meinem Beruf/meine Zukunftsmöglichkeiten

Da ich mich noch in meiner Ausbildung befinde, stehe ich erst ziemlich am Anfang meines Weges als Veranstaltungstechnikerin. In diesen Beruf habe ich eigentlich durch mein Interesse an dem Dahinter einer Veranstaltung gefunden. Dadurch, dass ich auch gerne mit technischen Dingen hantiere und wissen wollte, was alles zu einer gelungenen Veranstaltung hinzugehört, fand ich einen Weg hinter die Kulissen. Aufgrund des Anhaltenden Interesses war dann die Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin der nächstmögliche Weg. 

Dennoch habe ich noch einen langen Weg vor mir und hoffe, dass sich mir noch viele Möglichkeiten in der Veranstaltungsbranche erschließen. Mit meiner Ausbildung befinde ich mich nun schon auf der Zielgeraden, doch ausgelernt hat man nie und so habe auch ich vor mich noch weiter im Bereich der Bühnentechnik fortzubilden. Wohin mich mein Weg führt, ist noch unklar, doch ich werde sicherlich jede Möglichkeit neue Erfahrungen zu gewinnen nutzen und würde gerne noch neue Bereiche der Veranstaltungstechnik kennenlernen, wie etwa das Tourbusiness im Band- oder Musicalbereich. 

Lustige Anekdote

Bild: ORF

Im Sommer 2018 hatten wir auf der Seebühne sehr viel tierischen Besuch. Während eine Schwanfamilie die Nachmittagssonne immer auf unserem Bühnenbild genoss, entschlossen sich mehrere Blässhühner ihre Nester in bzw. auf unserer Bühne zu errichten. Neben einer Handvoll süßen Küken konnten wir Techniker, als auch die Zuschauer, immer wieder das Gesangstalent der Blässhühner bewundern, entschlossen sich doch ein paar sehr talentierte Exemplare dazu an so manchem Abend die Arien der Solisten oder die Ouvertüre der Oper mit ihrem Gepiepse zu untermalen.

Interessante Tatsache – Frau im Technikberuf

Wie auch viele andere Technikberufe ist auch die Veranstaltungstechnik vor allem von Männern dominiert. Dennoch ist der Beruf auch für Frauen sehr interessant und eindeutig machbar. 

Auch in meinem Betrieb bin ich, abgesehen von den Sommermonaten, in welchen wir viele SaisonsmitarbeiterInnen haben, eigentlich die einzige Frau in der Technikabteilung und auch der einzige weibliche Lehrling derzeit.