Aus für NIGHTWISH? Marko Hietala verlässt die Band

Normalerweise – vielleicht abgesehen von MOTÖRHEAD oder MANOWAR ist der Abgang eines Bassisten eher keine Gefährdung der Bandzukunft…

…anders könnte das bei NIGHTWISH aussehen. Marko Hietala hat verkündet, dass er die Band verlässt. Wie man seinem Statement entnehmen kann, hat sein Weggang nicht mit seinen Bandkollegen zutun.
„Liebe Leute“, beginnt Marko Hietala, „ich verlasse NIGHTWISH und mein öffentliches Leben. Einige Jahre schon war ich nicht mehr in der Lage, mich in diesem Leben bestätigt zu fühlen. Wir haben große Streaming-Firmen, die von Künstlern verlangen, dass sie von 9 bis 17 Uhr arbeiten, während sie unfair die Profite teilen. Sogar unter den Künstlern. Wir sind die Bananenrepublik der Musikindustrie.
Die größten Tourveranstalter quetschen Prozentsätze sogar aus unserem eigenen Merchandise heraus, während sie Ausschüttungen an den Nahen Osten zahlen. Offensichtlich können manche Gottesstaaten Geld von der Musik nehmen, die dich dort deinen Kopf kosten oder ins Gefängnis bringen würde, und zwar ohne als Heuchler zu erscheinen.“

Credit Claudia Chiodi

Das ist eine ganze Menge Frustration, welche der Finne hier ablässt – und dennoch sind es Wahrheiten, die man kennt, seit Jahren weiss. Umso wichtiger ist es, dass bedeutende Künstler das aussprechen und allfällige Konsequenzen ziehen. Das kann und soll nicht in jedem Fall das Aufhören sein, alleine schon der Fans und der Liebe zur Musik wegen.

Ob NIGHTWISh ohne Hietala eine Zukunft haben, wird sich zeigen. Bisher war die Band ja eher dafür bekannt, dass Sängerinnen reihenweise ausgewechselt werden. Mit Hietala trifft es jedoch den neben Tuomas Holopainen wohl kreativsten Kopf der Band. Offen bleibt, ob Hietala zurückkehren wird. Er selber dazu:

„Das letzte Jahr hat mich gezwungen, zu Hause zu bleiben und nachzudenken. Ich war sehr desillusioniert über diese und viele andere Dinge. Ich fand heraus, dass ich diese Bestätigung brauche. Um zu schreiben, singen und spielen muss ich ein paar neue Gründe und Inspirationen finden. ‘My Walden’ sozusagen. Zudem steht es in meinem Buch, dass ich chronisch depressiv bin. Es ist gefährlich für mich und die Leute um mich herum, wenn ich weitermache. Manche alten Gedanken waren dunkel. Keine Sorge, mir geht es gut. Ich habe zwei Söhne, eine Ehefrau, den Rest der Familie, Freunde, einen Hund und eine Menge Liebe. Und ich denke nicht, dass ich für immer weg sein werde. […] Es gibt ein paar Dinge, die ich zugesagt habe, in 2021 zu tun. Ansonsten bitte ich die Medien, Bands, Künstler und Projekte freundlich und mit Respekt, mich im kommenden Jahr für nichts anzufragen. Ich muss mich etwas neu erfinden. Ich hoffe, ich berichte euch darüber in 2022. Es ist allerdings kein Versprechen. All das tut mir leid. P.S.: Tony Iommi ist eine Ausnahme von ‚überhaupt keinen Kontakt‘. Ein Kindheitsheld hat Vorrang.“