ANDREAS KÜMMERT im Industrie 36 – fantastisch!

ANDREAS KÜMMERT im Industrie 36 – fantastisch!

Er mag eine Fernsehvergangenheit haben, gleichzeitig ist er aber der Beweis, dass man es trotz Casting zu etwas bringen kann. Das hat Blues-Rock-Röhre ANDREAS KÜMMERT in der Kulturfabrik Industrie 36 in Rorschach eindrücklich gezeigt.

El Jefe

Rorschach? Wo genau liegt das? Und dort gibt es Konzerte? So oder ähnlich klingt es, wenn man über Gigs berichtet, welche in der Ostschweiz stattfinden. Dabei gibt es hier viele spannende Eventlocations mit gutem Programm. Da wäre das Eisenwerk in Frauenfeld, da selbst die Ölfleck-Bar, das Presswerk in Arbon, die Grabenhalle in St. Gallen, das Krempel in Buchs oder das Gare de Lion in Wil – und viele mehr. Klar, die meisten dieser Clubs sind relativ klein – was nicht verhindert, dass dort gute Konzerte stattfinden.

Ein solches ereignete sich vergangenen Freitag im erwähnten Industrie 36 . Aufgespielt hat Andreas Kümmert mit seiner Band Andreas Kümmert & The Electric Circus, was neben ihm Asbjörn Gärtner (Bass) und Michael Gerber (Schlagzeug) sind, zwei ausgezeichnete Musiker.
Das ergibt ein Trio, was soviel bedeutet, dass Herr Kümmert nicht nur singt, sondern auch die Klampfe malträtiert. Und das macht er ausserordentlich gut – also singen und Gitarre spielen. Ob es nun Balladen, Bluestracks oder Bluesrocknummern sind – Andreas Kümmert scheint wie mit seiner Gitarre verwachsen, es sieht aus, als wäre sie ein Teil von ihm, das man nur schwer entfernen kann. Soviel sei verraten – es geht!

Wer die Industrie 36 nicht kennt, sollte sich das einmal gönnen. Das ist kein typischer Rockschuppen, das musikalische Hauptgewicht liegt eher im Bereich Jazz und Soul sowie Singer Songwriter. Spannend; die Bühne kann von drei Seiten betrachtet werden, sie steht auch nicht am kurzen Ende des Saales, sondern der Saal ist quer zur Bühne. Zudem gibt es eine supergemütliche Galerie inklusive Sofas. Die waren am Freitag jedoch nur mässig belegt, das Publikum stand vor und neben der Bühne.

Für den typischen Konzertbesucher ungewöhnlich; mitten im Set gab es eine etwa 15-minütige Pause. Ebenfalls ungewohnt; das Konzert war um 21:40 Uhr zu Ende. Was nicht heisst, dass das Set kurz war; Andreas Kümmert spielte 90 hochkonzentrierte Minuten. Es „fehlte“ einfach eine Supportband und der „typische“ Headlinerslot begann halt schon um 20:00 Uhr statt um 21:00 Uhr.
Was ebenfalls leicht irritierte – Andreas Kümmert siezte das Publikum – wie deutsch kann man sein? Gerade weil es so selten ist, war es ausgesprochen sympathisch. Das Attribut passt sowieso sehr gut zum Mann mit der aussergewöhnlichen Stimme – Kümmert groovt ohne Ende und spielt irgendwo zwischen PROCOL HARUM, ELTON JOHN und JOE COCKER – und vielen Anderen. Seine Stimme ist charakteristisch und kräftig – er hätte diesen Saal auch locker gefüllt, wenn die Technik ausgestiegen wäre. Eindrücklich war in diesem Zusammenhang der erste Song nach der Pause, welchen er alleine mit Gitarre spielte.

Andreas Kümmert hat gemeinsam mit seinem Publikum einen aussergewöhnlich groovigen, schönen Abend zelebriert. Mal ruhiger, mal heftiger – er lotet die ganze Bandbreite von Soul, Blues und Rock aus.
Manchmal lohnt es sich eben, an den Bodensee zu fahren, in einer kuschligen Pizzeria zu essen und anschliessend das Industriequartier aufzusuchen – die Provinz hat durchaus seine Reize!